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Freitag, 19. Juni 2015

Mischmasch-Wirrwarr*


Deutsch

Wie aus Fröschen Schlösser wer­den

In ei­nem Ge­spräch über al­les Mögli­che, ka­men wir auf am­bi­ge Wörter zu spre­chen und ich nahm das deut­sche Wort Schloss mit sei­nen zwei Be­deu­tun­gen (Tür-)Schloss (1) und (Königs-)Schloss (2) so­fort als Bei­spiel her. Je­mand, der Rumänisch kann, merk­te an, dass es in die­ser Spra­che eben­falls ein Wort für Schloss (1), nämlich broască ge­be, wel­ches die Zweit­be­deu­tung Frosch trägt. Während man im Deut­schen noch einen va­gen Sinn­zu­sam­men­hang er­kennt, bleibt die­ser im Rumäni­schen aus. Was hat ein Schloss (1) mit ei­nem Fro­sche zu tun? Nichts­de­sto­trotz han­delt es sich, wie man Wiktio­na­ry ent­neh­men kann, um ein und das­sel­be sprach­ge­schicht­li­che Wort (was nicht bei al­len heut­zu­ta­ge glei­chen Wörtern der Fall ist) mit der Ori­gi­nalbe­deu­tung Frosch. Nimmt man Eng­lisch als Zwi­schen­spra­che hin­zu, kann man dank der Am­bi­guität von Schloss und broască fol­gen­de Über­set­zungs­ket­te her­beiführen: Frosch ↦ frog ↦ broască ↦ lock ↦ Schloss ↦ cast­le ↦ cas­tel. Oder ta­bel­la­risch dar­ge­stellt:

cast­leSchlosscas­tel
lockSchlossbroască
frogFroschbroască

Bur­gen auf Ber­gen

Wem die Ähn­lich­keit zwi­schen Bur­gen und Ber­gen schon ein­mal auf­ge­fal­len ist und wer sich ge­dacht hat, dass das was da­mit zu tun ha­ben könn­te, dass Bur­gen oft auf Ber­gen an­zu­fin­den sind, der hat natürlich recht. Denn bei­de ste­hen für Ge­bor­gen­heit bzw. ei­ne ber­gen­de Höhe. Al­ler­dings schützt die­se Höhe nur ge­gen Ge­fah­ren von un­ten; na­he mei­ner Hei­mat­stadt ste­hen auf drei Ber­gen drei Bur­gen (Rui­nen), wel­che al­le in der­sel­ben Nacht vom Blit­ze ge­trof­fen wur­den, sich in drei Leucht­feu­er ver­wan­del­ten und seit­dem die Drei Glei­chen heißen. Und wer Spaß an Vo­kal­wech­seln hat: barg, Berg, Gebirge, geborgen, Burg, bärge, bürgen sind al­le ver­wandt. Fällt je­man­dem was mit börg ein?

Sta­chel, Brom­bee­re, Kaul­quap­pe

Mor­pho­lo­gi­sche Ana­ly­sen sind ein­fach, wenn man Wörter wie Gar­ten­zaun oder Über­wa­chung hat, wel­che sich ganz klar in Gar­ten-Zaun und Über-wach-ung zer­le­gen las­sen. Schwie­ri­ger wird es bei den oben ge­nann­ten:

  • Sta­chel: Ei­ni­ge mei­nen, es ließe sich nicht wei­ter zer­le­gen, an­de­re (wie ich) hin­ge­gen neh­men fol­gen­de Zer­le­gung mit fol­gen­der Be­gründung vor: Stach-el, da stach der Präte­ri­tum­stamm von ste­chen und -el ein im Deut­schen gängi­ges Di­mi­nu­ti­vuf­fix (d. h. Ver­klei­ne­rungs­suf­fix) ist.
  • Brom­bee­re: Auch hier ist un­klar, ob man das wei­ter in Brom-Bee­re zer­le­gen kann, da es sich wohl we­der um ei­ne Ha­lo­gen­bee­re, noch um ei­ne Dra­chen­rei­ter­bee­re han­delt. Das Pro­blem hier ist, dass Brom in der Be­deu­tung Gins­ter im heu­ti­gen Deut­schen nicht mehr al­lei­ne vor­kommt. Da­her nennt man sol­che Wörter uni­ka­le Le­xe­me, weil sie zwar ein ein­zel­ner Be­stand­teil sind, aber nur noch an an­de­re Wörter ge­bun­den vor­kom­men.
  • Kaul­quap­pe: Hier dach­te ich auch erst, dass es sich bei Kaul- in Kaul-Quap­pe um ein uni­ka­les Le­xem han­delt. Al­ler­dings fie­len mir später die Quark-Kaul-¨chen ein und in der Tat han­delt es sich um ein und das­sel­be Wort: Kau­le be­deu­tet Ku­gel.

Chi­ne­si­sche Brücken

Das chi­ne­si­sche Zei­chen für Brücke ist 桥 qiáo. Um mir Zei­chen bes­ser mer­ken zu können, zer­le­ge ich sie meist in ih­re Kom­po­nen­ten und stel­le einen lo­gi­schen Zu­sam­men­hang her. Und so zer­leg­te ich 桥 qiáo in 木 (= Holz), 天 tiān (= Him­mel) und 介 jiè, da ei­ne Brücke früher aus Holz war, darüber der freie Him­mel liegt und 介 jiè aus­sieht wie ein Steg. Aber natürlich war das nicht ganz rich­tig. Die tra­di­tio­nel­le Ver­si­on von 桥 qiáo ist 橋 qiáo. Und die­ses Zei­chen be­steht aus den drei Kom­po­nen­ten 木 (= Holz), 夭 yāo (≠ Him­mel) und 高 gāo (= hoch). Die Theo­rie mit dem Holz war so­weit rich­tig. Aber wie mir mei­ne tai­wa­ne­si­sche Tan­dem-Part­ne­rin er­klärte, hat­te ich 天 tiān mit 夭 yāo ver­wech­selt. Die­ses Zei­chen sym­bo­li­siert hier die Über­da­chung, die Chi­ne­si­sche Brücken oft auf­wei­sen. Und dass Brücken hoch sind, muss ich ja nicht wei­ter er­klären.

I can buy to­ma­to­es.

Schaut man sich die­sen Satz an, kommt man leicht auf den Ge­dan­ken, dass I (= ich) im­mer ein Per­so­nal­pro­no­men [PP], can (= können) im­mer ein Verb [V] und to­ma­to­es (= To­ma­ten) im­mer ein Sub­stan­tiv [N] ist.

PPVVN.
Icanbuyto­ma­to­es.
Und si­cher­lich ist das auch in den meis­ten Fällen so. Wenn man aber einen gu­ten Wort­ar­ten-Tag­ger bau­en möchte, dann können sol­che An­nah­men zur Sen­kung der Ge­nau­ig­keit führen. Das zei­gen die fol­gen­den Bei­spie­le:
PPVVNPRPDETN.
Icanbuyto­ma­to­esinacan.
Hier kommt can (= können, Do­se) so­wohl als Verb [V] als auch als Sub­stan­tiv [N] vor.
NVPRPDETN.
Ice­cramstartswithanI.
Hier ist I (= I) ein Sub­stan­tiv [N]. Es könn­te so­gar als (römi­sche) Zahl ver­wen­det wer­den, ist al­so kei­nes­falls im­mer ein Per­so­nal­pro­no­men [PP].
PPVDETN.
Heto­ma­to­esthesoup.
Ja, to to­ma­to (= etw. mit To­ma­ten ver­set­zen) kann so­gar ein Verb [V] sein. In der mo­der­nen eng­li­schen Um­gangs­spra­che hat das zu­gehöri­ge Par­ti­zip II to­ma­to­ed so­gar noch ganz an­de­re Be­deu­tun­gen als mit To­ma­ten ver­setzt. Die­se sind (nach auf­stei­gen­der Ver­wen­dungshäufig­keit):**
  1. Je­mand ist to­ma­to­ed, wenn er so hart an­ge­schla­gen wur­de, dass das Blut aus ihm her­aus­spritzt, wie der Saft aus ei­ner To­ma­te.
  2. Je­mand ist to­ma­to­ed, wenn er so viel (Al­ko­hol) ge­trun­ken hat, dass ihm das Blut ins Ge­sicht schießt und sein Kopf rot wie ei­ne To­ma­te wird.
  3. Zwei Per­so­nen sind to­ma­to­ed, wenn sie nicht zu­sam­men aus­ge­hen, aber auch nicht nur Freun­de sind. Bei­de wis­sen nicht recht, ob sie mit­ein­an­der aus­ge­hen wol­len, aber sie ma­chen trotz­dem die­sel­ben Sa­chen wie Part­ner ei­ner nor­ma­len Be­zie­hung. Der Na­me rührt da­her, dass man bei ei­ner To­ma­te nicht so ge­nau weiß, ob es ein Obst oder ein Gemüse ist, ge­nau­so wie man nicht so ge­nau weiß, ob die bei­den Be­trof­fe­nen Fick­freun­de oder Freun­de mit ge­wis­sen Vorzügen sind.


*Re­du­pli­ka­ti­on ist ei­ne in vie­len Spra­chen der Welt ge­bräuch­li­che Wort­bil­dungs­me­tho­de, um die ver­schie­dens­ten Din­ge aus­zu­drücken, im Deut­schen u. a. zur Hy­po­ko­ris­men­bil­dung. (s. auch hier)
**Al­le Be­deu­tun­gen sind ent­nom­men aus dem Ur­ban Dic­tio­na­ry.

1 Kommentar:

  1. Ja, wiedermal sehr interessant, insbesondere die Auslassungen über das engl. Wort "tomatoed". Habe ich B....chen gleich zum Lesen gegeben, damit sie es auf ihrer Englandreise mit verwenden kann.

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