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Montag, 1. Juni 2015

Konfigedicht


Deutsch

Als Red­ner auf der Kon­fir­ma­ti­ons­fei­er mei­ner Schwes­ter Ta­bea schrieb ich ein et­was länge­res Ge­dicht, wel­ches ich mit ih­rer Zu­stim­mung der Netz­ge­mein­schaft nicht vor­ent­hal­ten möchte. Das Ge­dicht ist natürlich sehr persönlich, aber man ver­steht es auch, wenn man die be­dich­te­te Per­son nicht kennt.

Konfigedicht von Tilly Dö

Beechen, ich seh es Dir schon an:
„Ist der jetzt etwa auch noch dran?“
Auf jeder Feier gibt’s so einen:
Ein’, der meint, er könne reimen!
Nur, weil man Reime aneinanderhängt,
Ist man doch lange kein Talent!
Trotzdem hab ich was verfasst –
Seht, auf der Eule sitzt ein Ast!
(Ja, das war ein schlechter Reim,
Doch mir fiel nix Bess’res ein.)
„Was labert der denn für ein’ Scheiß?“,
Wirst Du Dich fragen, doch ich weiß,
Dass Du nicht hören willst bestimmt,
Wie das Gedicht die Wendung nimmt.
Denn als Dein Bruder muss ich sagen:
Dir wollt’ ich öfter an den Kragen!
Ja, dieses Unschuldsengelchen
Ist in der Tat ein Bengelchen.
Haut mich, höhnt mich, lacht mich aus,
Streckt mir auch die Zunge raus;
Diese Terrormachmaschine
Nervt mich mit der Violine;
Mampft mir das letzte Essen weg
Und so weiter – meck, meck, meck.
Ich will nicht sein ein schlechter Christ,
Der alles mit der Goldwaag’ misst.
Sondern ich will ehrlich sein:
Du bist und bleibst ein Schw…esterlein,
Wie es ein jeder haben will –
Hast Du geglaubt, ich sei jetzt still?
Was wäre das denn für ein Ende,
Ganz ohne wohlgemeinte Wende?
Ich sprach noch nicht von guten Dingen
Und kann nur einen Auszug bringen:

Ich fang mal in der Schule an,
Denn da beginnt der Werdegang.
Ob für Mathe oder Sport –
Jeden Morgen bist Du dort:
In der Schule, einem Laden,
In dem sie Dich in Wissen baden.
Nicht jedes Wasser willst Du spüren,
So kann Physik Dich nicht verführen.
Doch auch, wenn Dir mal unklar ist,
Warum Du lernst all diesen Mist:
Schaden wird Dir sicher nicht,
Zu lernen, wie man Zahlen bricht.
Doch Dir brauch ich’s nicht weißzumachen,
Denn dann würdest Du nur lachen. –
Ja, vergliche man uns zwei,
Säh’ man, dass in vielerlei
Hinsicht Du, dass ich mich huder,
Besser bist als ich, Dein Bruder.
Chemie, Musik und Pflanzenkunde,
Religions- und Englischstunde –
Allseits bist Du ohne Witze
Vorne an der Klassenspitze.
Und scheiß auf Not’n für Mitarbeit,
Die Lehrer sind noch nicht bereit,
Einzuseh’n, dass mancher dann
Ruhig ist, wenn er’s einfach kann.
Von den Noten aus der Schule
Geht’s zun Noten für Bambule:
Ich weiß noch, wie’s Gefiedel ging,
Als Beechen an-, zu geigen, -fing:
„Kater Franz, Kater Franz
Hält die Mäuse fest am Schwanz.“ –
Das war eins der ersten Lieder,
Die zu Hause hallten wider.
Doch jeder Künstler fing einst klein
An, wollt’ er mal Meister sein.
Und ein Meisterchen, hör zu,
Das bist mittlerweile Du.
Spielst im Duo und Orchester –
Das ist meine große Schwester!
Und nicht nur Streichen kann sie gut,
Singen hat sie auch im Blut.
So ist sie nach dem Unterricht
Jeden Mittwoch sehr erpicht,
Dem Schulauftritt etwas zu nützen
Und den Chor zu unterstützen.
Ist die Schule endlich aus,
Geht Beechen dann vergnügt nach Haus.
(Beziehungsweise wird’s bald heißen:
„Tut sie vergnügt nach Hause reisen.“
Denn dann wohnt sie im Internat
Und dahin ist’s ’ne weite Fahrt.)
Zu Hause komm’ dann aus der Küche
Oft einfach herrliche Gerüche,
Denn Beechen ist’s, das voll abgeht,
Wenn es denn hinterm Herde steht.
Ob Suppe, Kuchen oder Ei,
Raclette od’ Kartoffelbrei –
Alles kriegst Du super hin,
Eine echte Zauberin.
Auf solche Frauen steh’n die Männer –
Glaub mir: Du wirst mal der Renner!
Anderen fällt Kochen schwer,
Die rufen dann die Feuerwehr.
Und sind sicherlich erfreut,
Dass Tabea sich nicht scheut,
Gänzlich ohne Eigennutz
Zu lernen, wie man Feuer trutzt.
Ich hoffe, dass in allen Zeiten
Dich Deine Wege werden leiten,
Ob zu Fahrrad, Flugzeug, Floß,
In offner Herzen Menschen Schoß.
Und kommst Du mal vom Teerweg ab,
So mach Dir doch ’nen Trampelpfad.
Das Lem besteht aus lauter Schritten
Und leider auch aus manchen Tritten. –
Mit einem ziemlich großen Schritt
Lässt Du die Kindheit heut’ zurück
Und betrittst das Jugendalter –
Alter Verwalter!
„Confirmatio“ ist Latein
Und soll der Tauf’ „Bestät’gung“ sein.
So wollt’st auch Du es tätigen
Und Deine Tauf’ bestätigen.
Ein Leben führ’n mit Gottes Segen
Willst Du und soll Dich bewegen,
So gut zu bleim, wie Du es bist:
Ein lieber Mensch und frommer Christ.
Auch weiß man: Du hast oft den Willen,
Deine Base mal down zu chillen.
Lass Dir nicht nehmen diese Ruh’,
Sondern bleibe einfach Du.
Denn in der Ruhe liegt die Kraft,
Mit der man einfach alles schafft.
Das könnte jetzt das Ende sein,
Doch ich hatt’ Lust, noch mehr zu reim’.
Vielleicht willst Du all das gar nicht wissen
Und findest Paarreim auch beschissen,
Doch ich hab noch was im Tütchen –
Dauert auch nur ein Minütchen.

Zu guter Letzt höret euch an,
Wofür Tabea gar nichts kann:
Denn sie hat, als sie ward geboren,
Ihren Nam’ nicht selbst erkoren.
„Tabea“, das kommt auf die Schnelle
Aus dem Osten, heißt „Gazelle“.
Strahlend stolz und stark das Tier,
Genau so sitzt Du heute hier.
Ein ähnlich’ Tier vom Typus Wild
Ist auch Dein Steinbock-Sternenbild.
Sicher auch in Bergeshöh’n,
So wirst Du durch’s Leben geh’n.
Und es kommt noch eine Sache:
In China wärest Du ein Drache!
Demnach ein Perfektionist,
Belebt, beliebt, begabt Du bist. –
Ich sehe schon die Ersten gähnen
Und hier und da Verzweiflungstränen. –
„Wann hört der Kerl denn endlich auf,
Wann stoppt er seiner Rede Lauf?“ –
Drum sei gesagt, dass ich sie schrieb,
Nur um zu sag’n: Ich hab Dich lieb.
Und weil ich eh wann enden muss,
Sei doch einfach dies der S c h l u s s.

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