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Montag, 16. Februar 2015

Schichtenmodell


Deutsch

Ich wer­fe ein­fach mal ein neu­es Schich­ten­mo­dell in den Raum: Die Ein­tei­lung der Bevölke­rung in vier Schich­ten, nämlich
  1. die tra­gen­de Schicht,
  2. die vor­an­trei­ben­de Schicht,
  3. die un­ter­hal­ten­de Schicht und – dank ei­nem freund­li­chen Hin­weis hier auch auf­geführt –
  4. die nicht­ar­bei­ten­de Schicht.
Die­se Be­grif­fe sol­len wert­neu­tral sein, sie be­schrei­ben mei­ner Mei­nung nach am bes­ten, was ich mei­ne. Denn die­se Schich­ten tei­len nicht nach Ein­kom­men, Bil­dung, Macht o. ä., son­dern nach Be­rufs­grup­pen ein. D. h. in
  1. Be­rufs­grup­pen, die für das Funk­tio­nie­ren der Ge­sell­schaft sor­gen, wie bspw. Bau­ar­bei­ter, Po­li­zis­ten, Leh­rer usw.,
  2. Be­rufs­grup­pen, die für den Fort­schritt der Ge­sell­schaft sor­gen, wie bspw. Wis­sen­schaft­ler, Er­fin­der, Po­li­ti­ker usw.,
  3. Be­rufs­grup­pen, die für die Un­ter­hal­tung der Ge­sell­schaft sor­gen, wie bspw. Schau­spie­ler, Sport­ler, Ma­ler usw. und
  4. Leu­te, die kei­nen Be­ruf ha­ben, wie bspw. Bett­ler, Räuber, Hart­zer usw.
Da die Ein­tei­lung nach Be­rufs­grup­pen er­folgt, ist es nicht sinn­voll, Men­schen, die ge­ra­de ei­ne Aus­bil­dung ma­chen, ein­zu­tei­len, auch nicht in die vier­te Schicht. Von mir aus kann man halt noch ei­ne fünf­te Schicht da­zu­neh­men.
Ich ha­be bis jetzt noch nie­man­den ge­fun­den, der sich nicht in ei­ner der Grup­pen ein­tei­len ließe. Ich ver­wen­de hier zwar den Be­griff Schicht, um es von an­de­ren Ein­tei­lun­gen wie Klas­se, Kas­te, Stand und Mi­lieu ab­zu­gren­zen, trotz­dem kann man sich die­se Ein­tei­lung nicht wie ei­ne Über­ein­an­der­schich­tung vor­stel­len, son­dern soll­te es eher wie einen für die Ge­sell­schaft ste­hen­den Ku­chen be­trach­ten, der in vier (nicht zwin­gend gleich­große) Tei­le ge­schnit­ten wird.
Die Sa­che ist, dass so ein Schich­ten­mo­dell jetzt ei­ni­ge Fra­gen auf­wirft: Sind man­che Schich­ten wich­ti­ger als an­de­re oder braucht man man­che gar nicht? Wel­che Schicht(en) soll­te(n) die Macht ha­ben? Wie groß sind die Ab­gren­zun­gen, wie klein die Über­lap­pun­gen zwi­schen ih­nen? Wie neh­men die Leu­te der ein­zel­nen Schich­ten ein­an­der und die Leu­te an­de­rer Schich­ten wahr (Zu­sam­men­gehörig­keit/An­ders­heit)? Ich will im Nach­fol­gen­den ein paar die­ser Fra­gen aus dem Bauche her­aus be­ant­wor­ten.

Wich­tig­keit der Schich­ten

Die ers­te Schicht ist die größte und mei­ner Mei­nung nach wich­tigs­te. Oh­ne sie würde die In­fra­struk­tur zu­sam­men­bre­chen. Vie­le Ers­te-Welt-Staa­ten be­sit­zen heut­zu­ta­ge ei­ne Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaft bzw. ha­ben ei­ne un­verhält­nismäßig große zwei­te Schicht. Des­halb be­dient sich Deutsch­land z. B. pol­ni­scher Gast­ar­bei­ter. An­ders­her­um leiht sich Po­len aber kei­ne Gast­wis­sen­schaft­ler oder der­glei­chen, wor­an zu er­ken­nen ist, dass die ers­te Schicht wich­ti­ger für den Er­halt, d. h. das Funk­tio­nie­ren ist, und so ha­be ich sie ja auch de­fi­niert.
Die zwei­te Schicht hin­ge­gen ar­bei­tet in die Zu­kunft. Es lässt sich natürlich darüber strei­ten, ob wir die­se Ent­wick­lung brau­chen. Brau­chen wir um­welt­freund­li­che­ren Treib­stoff? Brau­chen wir neue Ge­set­ze oder doch lie­ber wie­der die al­ten? Aber ge­hen wir et­was in der Zeit zurück, dann lau­ten die Fra­gen schon an­ders: Brau­chen wir Strom? Brau­chen wir das Rad? Natürlich hat die Ge­sell­schaft im­mer schon vor­her funk­tio­niert, aber hin­ter­her eben bes­ser. Man­che Ent­wick­lun­gen gin­gen auch schief, aber Feh­ler ma­chen die Men­schen al­ler Schich­ten.
Die drit­te Schicht un­terhält die an­de­ren. Dafür, dass sie nichts wei­ter tun, sind die An­gehöri­gen die­ser Schicht mei­ner Mei­nung nach zu gut be­zahlt. Denn brau­chen wir wirk­lich Fußbal­ler und Kom­po­nis­ten? Natürlich brau­chen wir die! Wie eintönig wäre sonst un­se­re Ge­sell­schaft? Die Ge­sell­schaft würde dann zwar noch funk­tio­nie­ren, aber wenn es kei­ne Schicht gäbe, die die Frei­zeit der an­de­ren ge­stal­tet, dann würde die Ar­beits­mo­ral und die gu­te Lau­ne ver­mut­lich sehr schnell fal­len.
Die vier­te Schicht wird im Prin­zip aus al­len ge­bil­det, die sich in kei­ne der an­de­ren ein­ord­nen las­sen. Ich hof­fe, dass das jetzt nie­mand in den falschen Hals kriegt, wenn ich sa­ge, dass wir kei­ne Ar­beits- und Ge­setz­lo­sen brau­chen. Des­halb soll­te die Ge­sell­schaft ver­su­chen, die vier­te Schicht so klein wie möglich zu ma­chen, in­dem sie ih­re An­gehöri­gen in ei­ne der an­de­ren Schich­ten in­te­griert. Und der Wech­sel ist ja fließend leicht: Wer heu­te ein Fußbal­ler ist, der könn­te ja mor­gen schon ein Fußsol­dat sein.
Bis auf die letz­te Schicht sind al­so al­le wich­tig. Wenn man als Maß für Wich­tig­keit den An­teil am Bei­trag zum Er­halt der Ge­sell­schaft nimmt, dann wären die Schich­ten ab­stei­gend von eins bis vier am wich­tigs­ten.

Macht­ver­tei­lung

Da Men­schen un­ter­schied­li­chen Bil­dungs­ab­schlus­ses quer durch die Schich­ten ver­streut sind, kom­me ich hier als über­zeug­ter Tech­no­krat mit der Tech­no­kra­tie als Re­gie­rungs­form nur schwer wei­ter. Tatsächlich ist es in un­se­rer Ge­sell­schaft so, dass die Leu­te Par­tei­en wählen, de­ren Ver­tre­ter dann die Ge­sell­schaft führen. Po­li­ti­ker gehören ja zur zwei­ten Schicht, weil sie für Fort­schritt ar­bei­ten (für die Kon­ser­va­ti­ven: Rück­schritt ist auch nur Fort­schritt mit ei­nem an­de­ren Vor­zei­chen), sie kom­men aber, und das ist wich­tig, ur­sprüng­lich aus ver­schie­de­nen Schich­ten und Strömun­gen, die sie dann ver­tre­ten. Die Macht ist al­so ziem­lich gut auf die Schich­ten bzw. schich­te­nu­n­abhängig ver­teilt. Schich­te­nu­n­abhängig, weil die An­gehöri­gen ei­ner Schicht nicht mit den An­gehöri­gen ei­ner Ideo­lo­gie über­ein­stim­men.

Schnitt­men­gen

Ei­ne Schnitt­men­ge von zwei Schich­ten ent­steht mei­ner Mei­nung nach nur dort, wo ei­ne Per­son meh­re­ren Tätig­kei­ten nach­geht.

Schicht­be­wusst­sein

Da ich die­ses Schich­ten­mo­dell ent­wor­fen ha­be, bin ich mir de­rer sehr wohl be­wusst. Außer­dem den­ke ich manch­mal darüber nach, warum vie­le An­gehöri­ge der tra­gen­den Schicht we­ni­ger Geld be­kom­men als An­gehöri­ge der vor­an­trei­ben­den und un­ter­hal­ten­den Schicht. Warum das so ist, ist natürlich klar; dass das so ist, ist ja ziem­lich un­ge­recht. Und ich kann mir gut vor­stel­len, dass an­de­re Men­schen auch so den­ken, und wenn sie da­bei nicht die­ses Mo­dell im Kopf ha­ben.

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