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Mittwoch, 4. Februar 2015

Deutsche Elative mit Präfixoiden


Deutsch

Ne­ben Po­si­tiv, Kom­pa­ra­tiv und Su­per­la­tiv wer­den zwei wei­te­re Stei­ge­rungs­for­men des deut­schen Ad­jek­ti­ves oft ver­ges­sen oder un­ben­amst ge­las­sen: Ela­tiv und Hy­per­la­tiv. Nicht al­le Ad­jek­ti­ve be­sit­zen al­le For­men. Den Hy­per­la­tiv be­sit­zen z. B. nur Ab­so­lut­ad­jek­ti­ve. Des­halb soll es heu­te um den Ela­tiv ge­hen, mei­ner Mei­nung nach ein wah­res Schmuckstück der deut­schen Spra­che. Es gibt bei den meis­ten Ad­jek­ti­ven drei Ar­ten, ihn aus­zu­drücken:
  1. als ab­so­lu­ter Su­per­la­tiv (oh­ne Ver­gleich),
  2. mit ei­ner vor­an­ge­stell­ten Grad­par­ti­kel wie sehr oder
  3. mit ei­nem Präfi­xo­id.
Zunächst ein paar Bei­spie­le mit dem Ad­jek­tiv groß: Die Sätze
  1. Die­ses Haus ist am größten!,
  2. Die­ses Haus ist sehr groß! und
  3. Die­ses Haus ist rie­sen­groß!
drücken al­le das Glei­che aus, und zwar, dass es sich um ein ziem­lich großes Haus han­delt. Während vie­le Spra­chen den Ela­tiv nur mit den ers­ten bei­den Va­ri­an­ten zum Aus­druck brin­gen können, vgl. Eng­lisch ve­ry big, hat das Deut­sche ei­ne schöne Bild­spra­che ent­wi­ckelt: groß wie ein Rie­se, al­so rie­sen­groß.
Die Vor­sil­ben nennt man nicht mehr Präfi­xe, son­dern Präfi­xoi­de, da es sich um Sub­stan­ti­ve han­delt. Vie­le deut­sche Ad­jek­ti­ve ha­ben ih­re ganz ei­ge­ne Ela­tiv­form und da­zu kom­men mund­arts­pe­zi­fi­sche Präfi­xoi­de, die man vor al­le Ad­jek­ti­ve stel­len kann, die­se sind im Hoch­deut­schen z. B. sau- und su­per-. Man­che Ad­jek­ti­ve, die ver­schie­de­ne Be­deu­tun­gen ha­ben, be­sit­zen so­gar meh­re­re For­men, so z. B. scharf mit haar­scharf, mes­ser­scharf und rat­ten­scharf. Und we­ni­ge Ad­jek­ti­ve sind so­gar mit zwei Präfi­xoi­den am Start: kohl­ra­ben­schwarz. Und wo wir ge­ra­de bei Far­ben sind: blut­rot, feu­er­rot, ro­sen­rot, ru­bin­rot, wein­rot usw., wo­bei es dich da­bei streng ge­nom­men gar nicht mehr um Ela­ti­ve, son­dern um Klas­si­fi­zie­run­gen han­delt: rot wie ... kann man nicht durch sehr rot er­set­zen.

An­sch­ließend ha­be ich noch ei­ne Lis­te zu­sam­men­ge­stellt, die zu je­dem Ad­jek­tiv ge­nau ei­ne Ela­tiv­form zu­ord­net, so­weit ich ei­ne ge­fun­den ha­be. Deut­sche Mut­ter­sprach­ler wer­den die al­ler­meis­ten si­cher­lich schon ken­nen. Für Er­wei­tungs­vor­schläge bin ich of­fen!
alt ur­alt
arm bet­tel­arm
blank blit­ze­blank
blass to­ten­blass
bleich krei­de­bleich
blond stroh­blond
blau him­mel­blau
böse bit­terböse
braun kas­ta­ni­en­braun
brav kreuz­brav
bunt kun­ter­bunt
doof stroh­doof
dumm strunz­dumm
dun­kel stock­dun­kel
dünn hauchdünn
dürr spin­deldürr
düster stockdüster
eng haut­eng
ernst tod­ernst
fahl asch­fahl
faul stink­faul
fein piek­fein
fi­del quietsch­fi­del
fins­ter stock­fins­ter
flink wie­sel­flink
frech rotz­frech
frei vo­gel­frei
fremd wild­fremd
froh heil­froh
fromm lamm­fromm
geil af­fen­geil
gelb ho­nig­gelb
ge­mein hunds­ge­mein
ge­nau haar­ge­nau
ge­ra­de schnur­ge­ra­de
ge­schwind pfeil­ge­schwind
ge­sund kern­ge­sund
glatt spie­gel­glatt
grau asch­grau
groß rie­sen­groß
grün gift­grün
gut sau­gut
hart stein­hart
heiß bul­len­heiß
hell taghell
hoch haus­hoch
hübsch bildhübsch
jung blut­jung
kalt eis­kalt
klar glas­klar
klein klit­ze­klein
lang el­len­lang
leer men­schen­leer
leicht kin­der­leicht
müde hun­demüde
mun­ter putz­mun­ter
nackt split­ter(fa­ser)nackt
nah haut­nah
nass klatschnass
neu (nigel)­na­gel­neu
reich stein­reich
ro­sa schwein­chen­ro­sa
rot blut­rot
rund ku­gel­rund
satt papp­satt
sau­ber blitz­sau­ber
scharf (ra­sier)­mes­ser­scharf
schick tod­schick
schlank ger­ten­schlank
schlau fuchs­schlau
schnell blitz­schnell
schön wun­derschön
schwarz (kohl)­ra­ben­schwarz
schwer ton­nen­schwer
si­cher tod­si­cher
stark bären­stark
steif stock­steif
still (mucks)­mäuschen­still
süß zuckersüß
teu­er sau­teu­er
tief ab­grund­tief
tot mau­se­tot
tro­cken staub­tro­cken
voll rap­pel­voll
wach hell­wach
weich but­ter­weich
weiß schnee­weiß
wild fuchs­teu­fels­wild
wund weid­wund

Kommentare:

  1. Antworten
    1. Das ist kein Elativ, sondern eine Spezifikation. "Lebensmüde" ist ja kein Synonym für "sehr müde", sondern bringt zum Ausdruck, dass man "des Lebens müde", d. h. selbstmordgefährdet, ist.

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    2. ... bzw. auch im übertragenen Sinne, dass man sehr waghalsig ist.

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