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Montag, 5. Januar 2015

Das generische Femininum


Deutsch

Warum sagt man Kat­ze und nicht Ka­ter, wenn man das Ge­schlecht des Tie­res nicht kennt? Man sagt doch auch Hund und nicht Hündin für ein sol­ches Tier un­be­kann­ten Ge­schlech­tes. In der fe­mi­nis­ti­schen Lin­guis­tik wird stets dafür ein­ge­tre­ten, dass Men­schen un­be­kann­ten Ge­schlechts mit ei­ner sog. gen­der­ge­rech­ten bzw. ge­schlech­ter­ge­rech­ten Form und nicht mit ei­nem ge­ne­ri­schen Mas­ku­li­num be­zeich­net wer­den und ei­ne Form wie Leh­rer durch ei­ne der fol­gen­den er­setzt wer­de: Leh­rer/-in (kor­rek­te Schrägstrich­schrei­bung), Leh­re­rIn (mit Bin­nen­ma­jus­kel), Leh­rer_in (mit Gen­der Gap), Leh­re­rin (im Dresd­ner Stil), Leh­ren­de(r) (nicht im­mer ganz rich­ti­ge PPA-Sub­stan­ti­vie­rung) oder Lehr­kraft (Ent­per­so­ni­fi­zie­rung). (Al­ler­dings ha­be ich noch nie von je­man­dem gehört, der sich für ei­ne neu­tra­le Form von ge­ne­risch fe­mi­ni­nen Per­so­nen­be­zeich­nun­gen wie z. B. Per­son selbst ein­setzt ... der Per­son, Per­seur, Persönier?) Aber wo blei­ben die Tie­re? Bei ei­ni­gen Ar­ten wird be­reits das ge­ne­ri­sche Fe­mi­ni­num ver­wen­det. Dies ge­schieht schier willkürlich und ist von Spra­che zu Spra­che ver­schie­den.
Ei­ne klei­ne Ta­bel­le da­zu:*
ge­ne­rischmänn­lichweib­lich
Af­fe {m}Af­feÄffin
Bär {m}BärBärin
En­te {f}En­te­rich/Er­pelEn­te
Gans {f}Gänse­rich/Gan­terGans
Hund {m}HundHündin
Kat­ze {f}Ka­terKat­ze
Man sieht, dass in den meis­ten Fällen die je­weils an­de­re Form von der ge­ne­ri­schen nach ei­nem be­stimm­ten Mus­ter de­ri­viert ist. So fal­len ne­ben Af­fe, Bär und Hund auch noch Fuchs, Löwe, Wolf u. a. in die -in-Ka­te­go­rie, während ne­ben En­te und Gans auch Maus und Kröte in die -erich-Ka­te­go­rie für die männ­li­chen For­men fal­len. Mit­un­ter wer­den auch ganz ko­mi­sche For­men kre­i­ert. Zum Bei­spiel in Günter Grass' Werk Die Rättin, wo be­tont wer­den soll, dass es sich um ei­ne weib­li­che Rat­te han­delt. Männ­li­che Rat­ten packt man dann ent­we­der ins Mäuse- oder ins Zie­gen­sche­ma und nennt sie Rat­te­rich oder Rat­ten­bock.
In­ter­essant sind Tie­re, wel­che ei­ne zusätz­li­che sächli­che Be­zeich­nung ha­ben:
ge­ne­rischmänn­lichweib­lich
Huhn {n}HahnHen­ne
Pferd {n}HengstStu­te
Rind {n}Bul­leKuh
Schaf {n}Bock/Wid­derZib­be
Schwein {n}EberSau
In man­chen Dia­lek­ten wird bei Letz­te­rem auch di­rekt auf die weib­li­che Form zurück­ge­grif­fen, da heißt es in der ge­schlechts­un­be­kann­ten Form Wild­sau. Ei­ni­ge wer­den auch in un­ter­schied­li­chem Ge­brau­che für an­de­re Tier­ar­ten her­ge­nom­men: Au­er­hahn – Au­er­hen­ne, Ele­phan­ten­bul­le – Ele­phan­tenkuh usw. Da­zu kom­men dann bei vie­len Haus- und Nutz­tie­ren Ex­tra­be­zeich­nun­gen für ka­strier­te Männ­chen: Och­se (beim Rin­de), Ham­mel (beim Scha­fe).
Ei­ne letz­te Grup­pe bil­den die­je­ni­gen Tie­re, de­ren ge­schlechts­neu­tra­le Be­zeich­nung gar kein neu­tra­les Ge­nus hat:
ge­ne­rischmänn­lichweib­lich
Ha­se {m}Ramm­lerHäsin/Zib­be
Zie­ge {f}BockGeiß
Die jun­gen Tie­re bzw. Jung­tie­re sind oft sächlich. Das sieht man schon beim Men­schen selbst: das Kind (un­abhängig da­von, ob der Mensch jetzt als Tier zählt oder nicht). Wei­te­re Jung­tier­be­zeich­nun­gen sind: Kalb, Foh­len, Lamm, Küken (al­le­samt sächlich), aber auch Lar­ve (weib­lich) so­wie Wel­pe (männ­lich).
Zurück bei der ei­gent­li­chen Fra­ge kann ich nicht sa­gen, warum man bei Kat­zen das ge­ne­ri­sche Fe­mi­ni­num dem ge­ne­ri­schen Mas­ku­li­num vor­zieht. Es hilft ja nor­ma­ler­wei­se, sich die Sprach­ge­schich­te an­zu­schau­en, doch kommt das Wort Kat­ze (auch e. cat) aus dem La­tei­ni­schen und schon da gab es zwei Wörter für Männ­chen und Weib­chen (cat­tus {m} und cat­ta {f}). Bei Men­schen stütz­ten sich al­ler­dings schon die Römer auf das ge­ne­ri­sche Mas­ku­li­num: Ei­ne Grup­pe galt als gram­ma­ti­ka­lisch männ­lich, so­bald min­des­tens ein Mann da­bei war. Die Grup­pe an sich ist dann wie­der weib­lich und wenn sie abends fei­ern geht, ha­ben am nächs­ten Mor­gen viel­leicht ei­ni­ge einen Ka­ter und an­de­re ei­ne Kat­ze. Doch das ist ei­ne an­de­re (Sprach-)­Ge­schich­te.
*Ei­ne ge­naue­re Ta­bel­le be­fin­det sich auf Wi­ki­pe­dia. Man be­ach­te die Be­zeich­nun­gen für das Mur­mel­tier und mer­ke sich: Wenn ein Bär mit ei­ner Kat­ze schläft, dann be­kom­men sie ein Äff­chen. ;-)

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