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Mittwoch, 10. Dezember 2014

Totalitäre, autoritäre Staaten: Russland


Deutsch

Es wur­de sich et­was über die rus­si­sche Re­gie­rung gewünscht. Al­so ha­be ich in mei­nen Un­ter­la­gen gewühlt und einen So­zi­al­kun­deauf­satz von die­sem März zu die­sem The­ma ge­fun­den. Nicht mehr ganz ak­tu­ell, aber we­sent­lich verändert hat sich Russ­land seit­dem nun auch nicht.

Russ­land ist ein Land, wel­ches je­her von ei­ner großen Führer­persönlich­keit ge­lenkt wur­de. Sei es der Zar, der Vor­sit­zen­de des Mi­nis­ter­ra­tes oder ak­tu­ell der Präsi­dent – Iwan der Schreck­li­che, Ge­nos­se Sta­lin oder Pu­tin selbst – es sieht ganz da­nach aus, als ob das rus­si­sche Volk nicht in ei­ner De­mo­kra­tie le­ben will. Oder be­kommt es gar kei­ne Möglich­keit da­zu? Auf die­se Fra­ge möchte ich nun ein­ge­hen und den rus­si­schen Au­to­ri­ta­ris­mus und To­ta­li­ta­ris­mus mit sei­ner Schein­de­mo­kra­tie im Hin­bli­cke auf Po­li­tik, Wirt­schaft, Ge­sell­schaft, Ideo­lo­gie und Mi­litär be­leuch­ten.
Ge­schich­te soll Ge­schich­te blei­ben und so wer­de ich mich nur mit der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on in der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on und ih­rem am­tie­ren­den Präsi­den­ten Wla­di­mir Pu­tin beschäfti­gen. Je­ner war vom Jah­re 1999 bis zum heu­ti­gen Ta­ge ab­wech­selnd Mi­nis­ter­präsi­dent und Präsi­dent der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on, steht al­so schon seit 15 Jah­ren an der Spit­ze der rus­si­schen Na­ti­on. Die Ver­fas­sung sieht ei­ne Ge­wal­ten­tei­lung in Le­gis­la­ti­ve (Föde­ra­ti­ons­ver­samm­lung), Exe­ku­ti­ve (Re­gie­rung) und Ju­di­ka­ti­ve (Ver­fas­sungs­ge­richt) vor. Nimmt man sich die­se drei Ele­men­te je­doch ein­zeln her, wird man schnell er­ken­nen, wo die Macht liegt. Im Par­la­ment exis­tie­ren ei­ne führen­de Par­tei (Ge­ein­tes Russ­land) und drei wei­te­re völlig vom Kreml abhängi­ge Par­tei­en, was da­zu führt, dass Ge­set­ze­si­ni­tia­ti­ven der Re­gie­rung das Par­la­ment re­gel­recht oh­ne Wi­der­stand pas­sie­ren dürfen, und das Ver­fas­sungs­ge­richt hat auch nicht viel zu mel­den. Die Macht liegt al­so nach wie vor im Kreml, bei der Re­gie­rung un­ter Wla­di­mir Pu­tin, wel­cher als Präsi­dent in ei­ner di­rek­ten, ge­hei­men und of­fi­zi­ell auch de­mo­kra­ti­schen Wahl auf vier Jah­re gewählt wur­de – ja, „wur­de“, denn Pu­tin ließ die Amts­zeit kur­zer­hand auf sechs Jah­re verlängern. Auch wer­den die ein­zel­nen Mi­nis­te­ri­en teil­wei­se di­rekt dem Präsi­den­ten un­ter­stellt, was ei­ner­seits den Par­tei­en, die die Mi­nis­ter auf­grund ih­res Wahl­er­geb­nis­ses stel­len dürfen, eben die­se Kraft in der Re­gie­rung ent­zieht und gleich­zei­tig ein tech­no­kra­ti­sches Ka­bi­nett un­ter Pu­tins Führung schafft.
Durch weit­ver­brei­te­te Kor­rup­ti­on sind in Russ­land Staats­macht und Mo­no­pol­wirt­schaft stark mit­ein­an­der ver­schmol­zen. Auch Pu­tin pro­fi­tiert of­fen­bar von die­sem Sys­te­me, denn selbst vom Ge­halt ei­nes Präsi­den­ten wird man kein Mil­li­ardär. Es gibt kei­ne Be­stre­bun­gen von Sei­ten der Re­gie­rung, das rus­si­sche Kor­rup­ti­ons­wirt­schafts­sys­tem zu verändern; zwar wur­den un­ter Pu­tin ei­ni­ge Re­for­men durch­geführt, wel­che letz­ten En­des aber auch nichts am tie­fen Wohl­stands­gefälle zwi­schen Ärms­ten und Reichs­ten änder­ten.
Das rus­si­sche Volk nimmt die­se Zustände hin, schein­bar mit kaum merk­li­cher Kri­tik. Das liegt ei­ner­seits dar­an, dass wirk­lich vie­le Bürger hin­ter Pu­tins Po­li­tik ste­hen – und das of­fen­bar mit um­ge­kehr­ter Pro­por­tio­na­lität zum west­li­chen Aus­land; so sank der Be­frag­ten­an­teil von mit Pu­tins Po­li­tik Un­zu­frie­de­nen während der Krim-Kri­se von 35% auf 30% –, und an­de­rer­seits, dass die Wil­lens­bil­dung im Vol­ke mas­siv ma­ni­pu­liert wird. Denn wo un­ter Pu­tin Men­schen­rech­te wie z. B. in jüngs­ter Ver­gan­gen­heit das Recht auf se­xu­el­le Selbst­be­stim­mung im­mer wei­ter ab­ge­baut wer­den, wird auch die Pres­se­frei­heit ein­ge­schränkt. (Natürlich nur de fac­to, auf dem Pa­pie­re ste­hen Men­schen­rech­te in Russ­land an obers­ter Stel­le.) Al­le drei lan­des­weit aus­ge­strahl­ten Fern­seh­sen­der in der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on sind un­ter staat­li­cher Kon­trol­le, ähn­lich verhält es sich mit dem Rund­funk und ein Re­dak­teur würde sich so­wie­so nie trau­en, et­was staats­kri­ti­sches in sei­ner Zei­tung ab­zu­dru­cken oder nur da­nach zu re­cher­chie­ren, wenn er an die lan­ge Lis­te auf un­natürli­che Wei­se zu To­de ge­kom­me­ner Jour­na­lis­ten denkt. Hier ist die Zen­sur in den Köpfen der Men­schen, denn sie ha­ben Angst.
Pu­tin hat den Nach­fol­ge­staat der So­wje­tu­ni­on im­mer wei­ter von sei­nen de­mo­kra­ti­schen Anfängen ent­fernt und sich in Russ­land ein Sys­tem ganz nach dem Vor­bil­de der DDR ge­schaf­fen – er war von 1985 bis 1990 KGB-Agent in der DDR –, zu wel­chem auch die Ideo­lo­gie mit dem Feind­bil­de Wes­ten gehört. Der vom Ma­ga­zin „For­bes“ zum ein­fluss­reichs­ten Po­li­ti­ker des Jah­res 2013 Gekürte sieht sich und sein Land von Fein­den um­ge­ben, die Russ­land schwächen und ver­nich­ten wol­len. Die staat­lich kon­trol­lier­te Pres­se ver­brei­tet an­ti­west­li­che Pro­pa­gan­da.
Ein wei­te­res Merk­mal für au­to­ritäre/to­ta­litäre Staa­ten ist ihr Her­um­ge­prot­ze mit ih­rem Waf­fenar­se­na­le. Zwar sind Russ­lands Aus­ga­ben für das Mi­litär we­sent­lich ge­rin­ger als die an­de­rer Großmächte, je­doch sind Mi­litärpa­ra­den wie zu So­wjet­zei­ten – al­so al­les von Fußsol­da­ten bis In­ter­kon­ti­nen­tala­tom­ra­ke­ten quer über den Ro­ten Platz, z. B. jähr­lich am Ta­ge des Sie­ges – und Macht­de­mons­tra­tio­nen wie dem Ein­marsch in Tschet­sche­ni­en und mo­men­tan die Be­set­zung der Krim nicht unüblich. Außer­dem gibt es im­mer wie­der Be­rich­te über Kor­rup­ti­on in­ner­halb der rus­si­schen Streit­kräfte und Mi­liz, für de­ren Er­stat­tung die Jour­na­lis­ten ihr Le­ben ris­kie­ren müssen.
Ich fas­se zu­sam­men: Russ­land ist sei­ner Ver­fas­sung nach ein de­mo­kra­ti­scher Staat, wur­de aber un­ter Pu­tins Re­gent­schaft in einen au­to­ritären Staat mit to­ta­litär-ty­pi­scher Ideo­lo­gie um­ge­bil­det. Man spricht von ei­ner ge­lenk­ten De­mo­kra­tie. Ob­wohl die Men­schen- und die Völker­rechts-, die In- und die Aus­lands­po­li­tik Wla­di­mir Pu­tins so­wie wei­te­re an­dau­ern­de Miss­stände im Lan­de vom Wes­ten ver­ur­teilt wer­den, ste­hen wei­te Tei­le der rus­si­schen Bevölke­rung hin­ter ih­rem, ich wa­ge zu be­haup­ten „ty­pisch rus­si­schen“, Anführer.

Quellen:
abendblatt.de, am 17.03.14 um 18:00 Uhr
spiegel.de, am 17.03.14 um 18:00 Uhr
wikipedia.org, am 17.03.14 um 18:00 Uhr
laender-analysen.de, am 17.03.14 um 18:00 Uhr
wikipedia.org, am 17.03.14 um 18:00 Uhr

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