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Mittwoch, 31. Dezember 2014

Bohnanza: Wert einer Bohne
 Bohnanza: A bean’s value


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Ich als be­geis­ter­ter Bohnan­za-Spie­ler (mitt­ler­wei­le be­sit­ze ich stol­ze 33 Kästchen[1]) ma­che mir natürlich im­mer wie­der ma­the­ma­ti­sche Ge­dan­ken rund ums Bohnan­za-Spiel. Jetzt ha­be ich mir über­legt, wie man den Wert ei­ner Boh­ne am bes­ten in Zah­len aus­drückt. Für die Han­del­s­pha­se wäre solch ei­ne An­ga­be be­stimmt recht hilf­reich, wenn man sich nicht über den Tisch zie­hen las­sen will.
Die ein­fachs­te Möglich­keit, ei­ne un­gefähre Vor­stel­lung für den Wert ei­ner Boh­ne zu be­kom­men, ist wohl fol­gen­de: W=1/A, wo­bei A die An­zahl der Boh­nen die­ser Sor­te im Spie­le ist. Natürlich müss­te man hier mit der ak­tu­el­len An­zahl und nicht mit der auf­ge­druck­ten, zu Be­ginn des Spie­les vor­han­de­nen An­zahl rech­nen. Da die­se aber ver­mut­lich nie­mand mitzählt, könn­te man sie un­ter der An­nah­me, dass die Boh­nen gleichmäßig aus­schei­den, wie folgt be­rech­nen: A(t)=A0*(1-t/tges), al­so W(t)=1/A(t). Al­ler­dings bringt die­se Be­rech­nung gar nichts, da sich dann die Wer­te al­ler Boh­nen in glei­chem Maße erhöhen. Hat man meh­re­re Boh­nen im An­ge­bot, kann man die ein­zel­nen Wer­te ein­fach ad­die­ren.
Zum Bei­spiel hätten ei­ne Brech­boh­ne (14) und ei­ne Feu­er­boh­ne (18) den Ge­samt­wert W=1/14+1/18=12,7% und wären da­mit ge­nau­so wert­voll wie ei­ne Stan­gen­boh­ne (13) und ei­ne Blaue Boh­ne (20).
Al­ler­dings wären ei­ne Sau­boh­ne (16) und ei­ne Puff­boh­ne (16) nach die­ser Be­rech­nung gleich­wer­tig (bei­de W=6,3%), was sie mei­ner Mei­nung nach aber nicht sind.
Des­halb hat­te ich die Idee, den Wert der Boh­nen in Ta­lern aus­zu­drücken, da es bei dem Spiel oh­ne­hin dar­um geht, die meis­ten Ta­ler zu er­wirt­schaf­ten. Auf je­der Boh­nen­kar­te be­fin­det sich ein Bohno­me­ter, wor­aus man ab­le­sen kann, wie vie­le Ta­ler man für ei­ne be­stimm­te An­zahl an Boh­nen be­kommt.
Bsp.:Sau­boh­ne (3→1 / 5→2 / 7→3 / 8→4)
Puff­boh­ne (4→1 / 5→2 / 6→3 / 7→4)
Er­trag in Ta­lernWert in Ta­lern
An­zahlSau-Puff-Sau-Puff-
100¼
200½
3101¾
4111
52222
6233
73434
8444

Ob­wohl man bei Bohnan­za we­der mit hal­b­en Boh­nen noch mit hal­b­en Ta­lern han­deln kann, ist die­se Me­tho­de zur Wert­be­stim­mung deut­lich bes­ser als die vor­he­ri­ge, wie fol­gen­des Ex­trem­bei­spiel de­mons­triert: Je­mand hat ei­ne Schnip­pel­boh­ne (2) im An­ge­bot und möchte sie ge­gen Mok­ka­boh­nen (28) tau­schen. Nach der ers­ten Me­tho­de hätte ei­ne Schnip­pel­boh­ne den Wert W=1/2=50%, was so­mit 14 Mok­ka­boh­nen (W=14/28=50%) ent­spräche. Al­ler­dings be­kommt man dafür mehr Ta­ler, als für ei­ne ein­zi­ge Schnip­pel­boh­ne. Für ei­ne Schnip­pel­boh­ne be­kommt man nämlich 1 Ta­ler, ge­nau wie für 5 Mok­ka­boh­nen.
Ei­ne drit­te Möglich­keit für die Wert­be­stim­mung ei­ner Boh­ne soll den Vor­teil ha­ben, dass sie un­abhängig von der An­zahl der zu ver­tau­schen­den Boh­nen ist. Man neh­me ein­fach den Durch­schnitt der ein­zel­nen Bohno­me­ter­an­ga­ben, um so einen fes­ten, boh­nen­spe­zi­fi­schen Wert zu be­kom­men, und mul­ti­pli­zie­re die­sen dann mit der An­zahl an Boh­nen.
Bsp. Au­gen­boh­ne (10): (2→1 / 4→2 / 5→3 / 6→4),
W=(1/2+2/4+3/5+4/6)/4=0,57.
Bsp. Blaue Boh­ne (20): (4→1 / 6→2 / 8→3 / 10→4),
W=(1/4+2/6+3/8+4/10)/4=0,34.
Ei­ne Au­gen­boh­ne ent­spräche so­mit 0,57/0,34=1,68≈2 Blau­en Boh­nen.
Zu gu­ter Letzt ha­be ich noch ein klei­nes Pro­gramm ge­schrie­ben, wel­ches nach al­len drei Me­tho­den zwei ver­schie­de­ne Boh­nen­sor­ten in­ein­an­der um­rech­net. Die Ta­bel­le für Me­tho­de 2 kann gut zum Um­rech­nen beim Han­deln ver­wen­det wer­den. Me­tho­de 2 scheint mir auch, die bes­te zu sein. Es gibt noch ei­ni­ge Boh­nen­sor­ten mehr, als man auswählen kann; die auf­ge­lis­te­ten Boh­nen­sor­ten ent­stam­men den­je­ni­gen Bohnan­za-Spie­len, wel­che ich be­sit­ze.

ZeilenSpalten

[1]Diese stolze Kollektion sei hier einmal aufgereiht:
  • Al Cabohne – Zu zweit gegen die Bohnenmafia (Amigo)
  • Auf der schwäb’schen Eisenbohn (Lookout)
  • Bohn Camillo (Lookout)
  • Bohn Hansa (Amigo)
  • Bohn to be wild! (Amigo)
  • Bohnanza – „Ich glaub’ es hackt!“ (Amigo)
  • Bohnanza – 20 Jahre (Amigo)
  • Bohnanza – Bohnenmarkt (Amigo)
  • Bohnanza – Das Duell (Amigo)
  • Bohnanza – Erweiterungs-Set (Amigo)
  • Bohnanza – Fan-Edition (Amigo)
  • Bohnanza – Fun & Easy (Amigo)
  • Bohnanza – Schnupperspiel (Amigo)
  • Bohnaparte – Liberté! Egalité! Bohnité! (Amigo)
  • Bohnedikt (Lookout)
  • Bohniläum – 15 Bohnen – 15 Graphiker (Amigo)
  • Bohnissima – „… jetzt hackt’s aber wirklich!“ (Leinhaus)
  • Bohnkick – Das Wunder von Bohn (Amigo)
  • Bohnopoli (Leinhaus)
  • Bohnröschen (Amigo)
  • Das große Bohnanza Buch (Amigo)
  • High Bohn – Bohnenduell um 12 Uhr mittags (Amigo)
  • Kannibohne (Lookout)
  • La Isla Bohnitâ – Bohnanza zur See (Amigo)
  • Ladybohn – Manche mögen’s heiß! (Amigo)
  • Mein erstes Bohnanza (Amigo)
  • Mutabohn (Lookout)
  • Mutterböhnchen (Lookout)
  • Rabohnzel (Lookout)
  • Sissi! Die Bohnenkaiserin (Spielemuseum)
  • Space Beans – Per Bohne durch die Galaxis (Amigo)
  • Telebohn (Lookout)
  • Würfel Bohnanza (Amigo)

I as an ul­ti­mate Bo­hnanza fan (mean­while I proudly own 33 boxes[1]) again and again think about the Bo­hnanza game with math­em­at­ic­al as­pect. Now I re­flec­ted about how to ex­press the value of a bean in num­bers the best way. Such a rep­res­ent­a­tion would be very help­ful in the trad­ing phase don't to get pulled over the bar­rel.
The easi­est way to get an ap­prox­im­ate ima­gin­a­tion of a bean's value even is the fol­low­ing: V=1/N, whereby N is the count of this-type beans in the game. Cer­tainly you have to cal­cu­late with the cur­rent count and not with the im­prin­ted, at the game's start ex­ist­ing one. But be­cause of even nobody counts the beans dur­ing the game you can, un­der the sug­ges­tion that the beans con­sist­ently leave the game, cal­cu­late with: N(t)=N0*(1-t/tall), so V(t)=1/N(t). However this cal­cu­la­tion is sense­less, be­cause then every bean's value in­creases in the same way. If you have sev­er­al beans in of­fer, you eas­ily can add the par­tic­u­lar val­ues.
For ex­ample a Green Bean (14) und a Chili Bean (18) would have the total value V=1/14+1/18=12.7% and there­with they would have the same value as a Stan­gen­bo­hne (13) and a Blue Bean (20).
However, do­ing the cal­cu­la­tion this way both a Stink Bean (16) and a Puff­bo­hne (16) would have the same value (V=6.3%), what is not true to my mind.
That's why I had the idea to ex­press the value of beans in thalers (coins), be­cause the ob­ject of the game already is to earn the most thalers. On every bean card is a beano­met­er, which you can use to read out how many thalers you get for a spe­cif­ic num­ber of beans.
Ex.:Stink Bean (3→1 / 5→2 / 7→3 / 8→4)
Puff­bo­hne (4→1 / 5→2 / 6→3 / 7→4)
gain in thalersvalue in thalers
num­berStinkPuff-StinkPuff-
100¼
200½
3101¾
4111
52222
6233
73434
8444

Al­though you can trade neither with half beans nor with half thalers, this meth­od is much bet­ter than the pre­vi­ous one for cal­cu­lat­ing the value, such as the fol­low­ing ex­ample shows: Someone has a Schnip­pel­bo­hne (2) in of­fer and wants to ex­change it for Mokkabo­hnen (28). Us­ing the first meth­od a Schnip­pel­bo­hne would have the value V=1/2=50%, which would be equal with 14 Mokkabo­hnen (V=14/28=50%). But for those you get more thalers than for only one Schnip­pel­bo­hne. Namely, for one Schnip­pel­bo­hne you get 1 thaler like for 5 Mokkabo­hnen.
A third way to cal­cu­late the value of a bean shall have the ad­vant­age be­ing in­de­pend­ent from the count of beans to ex­change. Just take the av­er­age of the single beano­met­er state­ments to get a con­stant, bean spe­cif­ic value which you can mul­tiply with the count of beans.
Ex. Black-eyed Bean (10): (2→1 / 4→2 / 5→3 / 6→4),
V=(1/2+2/4+3/5+4/6)/4=0.57.
Ex. Blue Bean (20): (4→1 / 6→2 / 8→3 / 10→4),
V=(1/4+2/6+3/8+4/10)/4=0.34.
There­with a Black-eyed Bean would be equal to 0.57/0.34=1.68≈2 Blue Beans.
Last but not least I wrote a little pro­gramme (see the Ger­man part), which is able to con­vert two bean types in­to each oth­er, us­ing all the three meth­ods. The table of the second meth­od is use­ful for con­vert­ing in the trad­ing phase. The second meth­od also seems to me to be the best. There're more bean types in ad­di­tion than you can choose; the lis­ted bean types are in­cluded in one of my own Bo­hnanza games.

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Weihnachten #2
 Christmas #2
 Kristnasko #2


DeutschEnglishEsperanto

Es ist wie­der Weih­nach­ten, der 24. De­zem­ber 2014, Hei­ligabend. Wie je­des Jahr wird die Ge­burt des Je­sus­kin­des ze­le­briert, von Chris­ten, Ge­le­gen­heits­chris­ten und Nicht­chris­ten in glei­chem Maße und das an vie­len Or­ten der Welt. Ich er­in­ne­re mich, wie wir in der Grund­schu­le das Weih­nachts­fest in ver­schie­de­nen Ländern vor­stel­len durf­ten. Da­mals hat­te ich Po­len. Die Tra­di­tio­nen ge­hen nicht nur auf Ländere­be­ne, son­dern schon von Haus­halt zu Haus­halt aus­ein­an­der. Dort kommt der gu­te al­te Ni­ko­laus, hier das himm­li­sche Christ­kind und wie­der wo­an­ders der neu­mo­di­sche Weih­nachts­mann.
Wie je­des Jahr spie­le ich und wie letz­tes Jahr spielt mein Schwes­ter­chen beim hie­si­gen Krip­pen­spie­le mit. Die­ses Mal trägt sich die Ge­schich­te in ei­ner Kir­che zu. Ich ma­che (zum ers­ten Mal) den Jo­sef.

It's Christ­mas again, the 24th of Decem­ber 2014, Christ­mas Eve. Like every year the birth of Child Je­sus is cel­eb­rated, by Chris­ti­ans, cas­u­al Chris­ti­ans and non-Chris­ti­ans to the same ex­tent and at many places in the world. I re­mem­ber, we had to present the Christ­mas cel­eb­rat­ing in dif­fer­ent coun­tries at the primary school. Then I had Po­land as top­ic. The tra­di­tions di­verge not only at the coun­try level, but also from house­hold to house­hold. There the good old Saint Nich­olas, here the heav­enly Christ Child and some­where else the mod­ern Santa Claus brings the gifts.
Like every year I act and like last year my sis­ter acts in the loc­al nativ­ity play. This year the story takes place in a church. I'll act as Josef (for the first time).

Rees­tas krist­nasko, la du-dek-kvara decem­bro en 2014, sankta ves­pero. Kiel ĉia jaro la nasko de In­fano Je­suo es­tas fes­tata, de krista­noj, okazaj krista­noj kaj nekrista­noj sam­grade kaj ĉe mul­taj lokoj de la mondo. Mi memo­ras, ke ni de­vis prezenti en la ele­menta lernejo la krist­naskan fest­on en malegalaj landoj. Tiutempe mi ha­vis Polu­jon. La tradi­cioj diverĝas ne nur sur landa, sed ankaŭ sur mas­truma nivelo. Tie la bona olda Nikolao, ĉi tie la Kristin­fano kaj ree en alia loko la mo­derna Krist­naska Viro trans­do­nas la prezen­tojn.
Kiel ĉia jaro mi kun­ak­to­ras kaj kiel lasta jaro mia franjo kun­ak­to­ras ĉe la ĉi-loke naskiĝa teatraĵo. Ĉifo­je la afero okazas en preĝejo. Mi faros (je la unua fojo) Joze­fon.

Ab­sch­ließend wünsche ich euch in al­len mir zur Verfügung ste­hen­den Spra­chen:

Fi­nally I wish every of you in all avail­able lan­guages:

Mi fi­ne de­zi­ras ĉi­ujn vin en tutaj al-mi-mal­frem­daj ling­voj:

Fröhli­che Weih­nach­ten! / Freh­liché Weih­nochtn!
Merry Christ­mas!
Fe­li­cem Diem Na­ti­vi­ta­tis!
Ĝojan Krist­nas­kon! / Gho­yan Crist­nas­con!
Joyeux Noël!
圣诞快乐! / 聖誕快樂! / Shèng­dàn Kuài­lè!








Freitag, 19. Dezember 2014

Das kommunistische Prinzip #2


Deutsch

Für den ers­ten Teil s. Das kom­mu­nis­ti­sche Prin­zip.

Ich wa­che auf.
Der We­cker zeigt halb eins. Es ist Frei­tag, aber das ist egal; bis auf Sonn­tag lau­fen al­le Ta­ge gleich ab. – Nor­ma­ler­wei­se. – Ich ste­he auf und bli­cke mich in mei­nem Zim­mer um. Das Licht der durch das Fens­ter ein­fal­len­den Son­nen­strah­len fällt auf nichts wei­ter als mein Bett und einen klei­nen Tisch, auf dem der We­cker, ein Bündel Kla­mot­ten und ei­ne Wasch­ta­sche ste­hen. Ich neh­me das merkwürdig un­glat­te Bündel – es ist un­ge­wa­schen – und klei­de mich an. An­sch­ließend pa­cke ich die Wasch­ta­sche und ver­las­se mei­ne Ba­ra­cke, um ins Bad zu ge­hen. Es ist ein Ge­mein­schafts­bad, aber nie­mand ist da. Es kommt kein Was­ser. Nach dem Zähne­put­zen brin­ge ich mei­ne Wasch­ta­sche zurück in mein Zim­mer – der We­cker zeigt im­mer noch halb eins – und be­ge­be mich in Rich­tung Ver­samm­lungs­haus. Al­le kom­men mor­gens dort­hin. Doch heu­te ist nie­mand auf den Straßen. Das Ver­samm­lungs­haus ist leer.
Ich set­ze mich mit­ten auf die lee­re Straße ... Stil­le ... Ich ha­be Hun­ger und ge­he zur Es­sens­aus­ga­be­stel­le. Kur­zer­hand klet­te­re ich darüber und fin­de mich in ei­nem lee­ren Haus wie­der. Nach ei­ni­gem Su­chen ge­lan­ge ich in einen La­ger­raum. Dort öff­ne ich einen Kar­ton mit ein­ge­mach­tem Misch­gemüse und es­se et­was von sei­nem In­halt.
Ich höre ein Geräusch und be­ge­be mich nach draußen. Dort du­cke ich mich hin­ter ei­ne Bank, um nicht von den selt­sam aus­se­hen­den Neu­ankömm­lin­gen ge­se­hen zu wer­den. Sie wir­ken ir­gend­wie luf­tig, auf­ge­bla­sen und ha­ben große, lee­re Au­gen; Mund und Na­se sind ein ein­zi­ges Ge­bil­de, von dem Schläuche aus­ge­hen und auf ih­rem Rücken in einen Behälter münden. Erst, als sie ganz na­he sind, er­ken­ne ich, dass es sich um Men­schen in Schutz­anzügen han­delt. Sol­da­ten, Hilfs­kräfte! Ich will auf­ste­hen und auf sie zu­ge­hen. – Ich spüre ei­ne un­ge­wohn­te Ein­wir­kung von außen.

Ich kom­me zu mir. Ich be­fin­de mich nicht in mei­nem Zim­mer.
Es gibt kei­nen We­cker. Es ist ver­mut­lich Sams­tag, aber das ist egal; die­se Ta­ge lau­fen eh nicht al­le gleich ab. Ich rich­te mich auf und bli­cke mich in dem Zim­mer um. Es gibt kein Fens­ter, trotz­dem fal­len Licht­strah­len ei­ner Lam­pe von der De­cke her­ab. Sie fal­len auf nichts wei­ter als einen Wech­sel­strom­ge­ne­ra­tor, be­ste­hend aus ei­ner Kat­ze, wel­che ein Mar­me­la­den­brot auf ih­rem Rücken hat, ei­nem Tra­fo­kas­ten und ein paar Ka­beln. Mei­ne Kla­mot­ten von ges­tern ha­be ich noch an. Ich will den Raum ver­las­sen, doch mir kommt je­mand ent­ge­gen.
Er heißt mich will­kom­men.

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Cäsar für Fortgeschrittene


Deutsch

Ei­ne Cäsar-Ver­schlüsse­lung ver­schiebt je­den Buch­sta­ben ei­nes Klar­tex­tes um n Stel­len im Al­pha­bet nach rechts. Die ver­brei­tets­te Va­ri­an­te ist der ROT13-Al­go­rith­mus, d. h. die Ver­schie­bung um 13 Stel­len.

Bsp. (13):
Ave Caesar, morituri te salutant! => Nir Pnrfne, zbevghev gr fnyhgnag!

Mei­ne Er­wei­te­rung ist ziem­lich sim­pel. An­statt al­le Buch­sta­ben um ei­ne be­stimm­te An­zahl n ro­tie­ren zu las­sen, lässt man je­den x-ten Buch­sta­ben des Klar­tex­tes um das n-te Ele­ment ei­ner Zah­len­fol­ge ro­tie­ren.

Bsp. ({2, 1, 3, 2, 4, 3, ...}):
Ave Caesar, morituri te salutant! => Cwh Gdjwgw, uvaqddcs er gnaijpej!

Bsp. ({3, 1, 4, 1, 5, 9, ...}):
Ave Caesar, morituri te salutant! => Dwi Hjgyfu, vvaluvwr an vercyeru!

Bei end­li­chen Fol­gen kommt dann der Mo­du­lo-Ope­ra­tor ins Spiel, das ist al­so auch kein Pro­blem.
Beim Pro­gram­mie­ren der (Ja­va-)Me­tho­den en­crypt(String plain­text, int[] se­quence) und de­crypt(String ci­pher­text, int[] se­quence) kam ich auf die Idee, zwei wei­te­re Me­tho­den en­crypt(String plain­text) und de­crypt(String ci­pher­text) zu im­ple­men­tie­ren. Ers­te­re wählt von meh­re­ren vor­ge­ge­be­nen Zah­len­fol­gen zufällig ei­ne aus und ver­wen­det sie, um den Klar­text zu ver­schlüsseln. Bei zwei­te­rer hat­te ich meh­re­re Ansätze (die Pro­ble­ma­tik ist ja, dass der Rech­ner mit al­len mögli­chen Fol­gen ent­schlüsselt und dann schaut, ob der ent­stan­de­ne Klar­text ein deut­scher Text sein könn­te) und ha­be mich dann für ei­ne Buch­sta­benhäufig­keits­ana­ly­se (E-N-I-S-R-A) ent­schie­den, wel­che ab ei­ner Klar­textlänge von et­wa 10 Buch­sta­ben auch re­la­tiv zu­verlässig funk­tio­niert. Die von mir vor­ge­ge­be­nen Zah­len­fol­gen sind natürlich nicht un­end­lich lang, son­dern be­rech­nen nur so vie­le Stel­len, wie nötig sind, um den kom­plet­ten Klar­text oh­ne Mo­du­lo zu ver­schlüsseln.

Möchte man im alltägli­chen Ge­brauch die­se Me­tho­de be­nut­zen, z. B. in Brie­fen, so könn­te man sich für je­den Brief ei­ne neue Fol­ge aus­den­ken. Der Schlüssel muss dann natürlich se­pa­rat über­ge­ben wer­den oder man ver­steckt ihn ir­gend­wo im Ge­heim­text. (Bspw. könn­te man im­mer mit dem glei­chen Satz be­gin­nen. So­mit weiß der Empfänger we­nigs­tens die ers­ten Zah­len der Fol­ge und kann mögli­cher­wei­se die an­de­ren schluss­fol­gern. Schöne Zah­len­fol­gen gibt's übri­gens hier.)

Sonntag, 14. Dezember 2014

Teuflinge und Täuflinge


Deutsch

Wir ha­ben heu­te zwei Teuf­lin­ge un­ter uns, ver­stand ich den Pfar­rer heu­te im Got­tes­dienst. Ich war schon sehr ge­spannt dar­auf, wer die­se klei­nen Teu­fel denn sei­en, als mir allmählich ein Licht auf­ging, dass es sich über­haupt nicht um Teuf­lin­ge, son­dern um Täuf­lin­ge han­del­te. Da hat­te ich das Wort im rich­ti­gen Kon­text wohl falsch in­ter­pre­tiert. Aber so ist das bei Ho­mo­pho­nen. Glück­li­cher­wei­se re­gelt die neue Recht­schrei­bung die Schrei­bung von sol­chen Wörtern, da­mit man sie we­nigs­tens in der Schrift­spra­che aus­ein­an­der­hal­ten kann. Du­den, Re­gel 133 ver­weist im Zu­sam­men­hang von Laut-Buch­sta­ben-Zu­ord­nung auf De­ri­va­ti­on (Ety­mo­lo­gie) und As­so­zia­ti­on (Volks­ety­mo­lo­gie) der Wörter. Bei­spie­le für Ers­te­res sind: Ge­wehr (von weh­ren) und Gewähr (von wah­ren) so­wie eben Teuf­ling (von Teu­fel) und Täuf­ling (von Tau­fe). Wenn al­so schon nicht am Klang un­ter­scheid­bar, dann doch we­nigs­tens in der Schrift. Die Tau­fe lei­tet sich übri­gens vom Ad­jek­tiv tief ab und der Teu­fel vom alt­grie­chi­schen διάβολος. – Und ich hat­te schon Angst, dass gleich mein Na­me fällt ...
In sei­ner Pre­digt mein­te der Pfar­rer dann: Ad­vent ist La­tein und be­deu­tet 'er kommt'. Das war mir bis da­hin noch gar nicht auf­ge­fal­len ... Wo­bei er ge­nau ge­nom­men nicht ganz rich­tig ge­le­gen hat. Er kommt heißt ad­ve­nit, al­so mit I, wo­hin­ge­gen Ad­vent sich von ad­ven­tus, d. h. An­kunft, ab­lei­tet. Ad­ven­tus wie­der­um kommt aber von (ad)ve­ni­re, al­so (an)kom­men, wo­von wie­der­um ad­ve­nit ei­ne flek­tier­te Form ist. – Puh, jetzt ist mir schwin­de­lig.

Spaßfakt: In der est­ni­schen Uni­ver­sitäts­stadt Tar­tu gibt es so­wohl ei­ne En­gels­brücke als auch ei­ne Teu­fels­brücke. We­der der Na­me der einen, noch der Na­me der an­de­ren ha­ben et­was mit En­geln oder Teu­feln zu tun. Ers­te­rer lei­tet sich von eng­lisch ab, letz­te­rer vom Na­men des Bau­lei­ters.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Obst und -bezeichnungen aus China


Deutsch

Es ist wie­der­mal Ap­fel­si­nen- und Man­da­ri­nen­zeit. Wie al­le Zi­trus­früchte stam­men sie ur­sprüng­lich aus Asi­en und wer­den nun auch in kli­ma­tisch ge­eig­ne­ten Ge­bie­ten Eu­ro­pas wie Spa­ni­en an­ge­baut. Manch ei­ner mag es sich des­halb nur schwer vor­stel­len, dass die­se Früchte zu früher­en Zei­ten aus Chi­na im­por­tiert wur­den. Da­bei ist die­se Vor­stel­lung gar nicht so ab­we­gig, wenn man sich die Be­zeich­nun­gen von Ap­fel­si­ne und Man­da­ri­ne an­schaut: Ap­fel­si­ne hieß vor nicht all­zu lan­ger Zeit ein­mal Ap­fel­si­na, was wie­der­um die Zu­samm­zie­hung von Ap­fel de Si­na, al­so Ap­fel aus Chi­na, ist. In­wie­weit ei­ne Oran­ge jetzt ei­nem Ap­fel gleicht, ist mit Si­cher­heit dis­ku­ta­bel. Spaßfakt am Ran­de: Die Far­be Oran­ge lei­tet sich vom vor al­lem in Süddeutsch­land ge­brauch­ten Na­men Oran­ge für Ap­fel­si­ne ab und nicht um­ge­kehrt. Auch die gern ge­ges­se­ne Po­me­lo hat ih­ren Na­men vom Ap­fel, denn es han­delt sich hier­bei um ei­ne eng­li­sche Zu­sam­men­set­zung von po­me und me­lon, al­so ei­ne Ap­fel­me­lo­ne, was ihr Aus­se­hen mei­ner Mei­nung nach auch ziem­lich gut be­schreibt. Die Be­griffs­her­kunft von Man­da­ri­ne ist nicht ein­deu­tig ge­klärt (s. Wi­ki­pe­dia: Man­da­ri­ne). Ver­mut­lich hängt er mit den früher­en chi­ne­si­schen Be­am­ten, den Man­da­ri­nen (Sg.: Man­da­rin) zu­sam­men; eben­so wie die Be­zeich­nung Man­da­rin für Hoch­chi­ne­sisch. We­gen ih­res Aus­se­hens kommt auch die Man­da­ri­nen­te zu ih­rem Na­men.

Ei­ne wei­te­re, we­ni­ger be­kann­te Zi­trus­frucht ist die Yu­zu. Bei ih­rer deut­schen Be­zeich­nung han­delt es sich di­rekt um den ein­ge­deutsch­ten chi­ne­si­schen Be­griff 柚子 (yòuzi). Ein sol­ches Wort nennt man im Fach­chi­ne­si­schen einen Si­nis­mus (d. h. Fremd­wort aus dem Chi­ne­si­schen, vgl. An­g­li­zis­mus, Gal­li­zis­mus usw.). Wei­te­re (bzw. mei­ne Lieb­lings-) Bei­spie­le für Si­nis­men sind Lit­schi von 荔枝 (lìzhī) und Ketch­up von 茄汁 (qiézhī).

Nach­trag: Pi­neapp­le (Eng­lisch für Ana­nas) be­deu­tet wört­lich Pi­ni­en­ap­fel. Das rührt von der Ähn­lich­keit der Ana­nas­frucht und den großen Pi­ni­en­zap­fen her. Spaßfakt: Das bei uns zu Hau­se ge­brauch­te Dia­lekt­wort für sol­che Zap­fen ist Kus­teln; ich erwähne das an die­ser Stel­le, weil ich ge­ra­de ver­zwei­felt Pi­ni­en­kus­teln ge­g­oo­gelt ha­be.

Nach­trag 2: Die Chi­ne­sen ma­chen das mit den ausländi­schen Früchten aber auch nicht an­ders: 西瓜 (xīguā) heißt auf Deutsch (Was­ser-)Me­lo­ne und wört­lich über­setzt west­li­cher Kürbis.


Mittwoch, 10. Dezember 2014

Totalitäre, autoritäre Staaten: Russland


Deutsch

Es wur­de sich et­was über die rus­si­sche Re­gie­rung gewünscht. Al­so ha­be ich in mei­nen Un­ter­la­gen gewühlt und einen So­zi­al­kun­deauf­satz von die­sem März zu die­sem The­ma ge­fun­den. Nicht mehr ganz ak­tu­ell, aber we­sent­lich verändert hat sich Russ­land seit­dem nun auch nicht.

Russ­land ist ein Land, wel­ches je­her von ei­ner großen Führer­persönlich­keit ge­lenkt wur­de. Sei es der Zar, der Vor­sit­zen­de des Mi­nis­ter­ra­tes oder ak­tu­ell der Präsi­dent – Iwan der Schreck­li­che, Ge­nos­se Sta­lin oder Pu­tin selbst – es sieht ganz da­nach aus, als ob das rus­si­sche Volk nicht in ei­ner De­mo­kra­tie le­ben will. Oder be­kommt es gar kei­ne Möglich­keit da­zu? Auf die­se Fra­ge möchte ich nun ein­ge­hen und den rus­si­schen Au­to­ri­ta­ris­mus und To­ta­li­ta­ris­mus mit sei­ner Schein­de­mo­kra­tie im Hin­bli­cke auf Po­li­tik, Wirt­schaft, Ge­sell­schaft, Ideo­lo­gie und Mi­litär be­leuch­ten.
Ge­schich­te soll Ge­schich­te blei­ben und so wer­de ich mich nur mit der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on in der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on und ih­rem am­tie­ren­den Präsi­den­ten Wla­di­mir Pu­tin beschäfti­gen. Je­ner war vom Jah­re 1999 bis zum heu­ti­gen Ta­ge ab­wech­selnd Mi­nis­ter­präsi­dent und Präsi­dent der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on, steht al­so schon seit 15 Jah­ren an der Spit­ze der rus­si­schen Na­ti­on. Die Ver­fas­sung sieht ei­ne Ge­wal­ten­tei­lung in Le­gis­la­ti­ve (Föde­ra­ti­ons­ver­samm­lung), Exe­ku­ti­ve (Re­gie­rung) und Ju­di­ka­ti­ve (Ver­fas­sungs­ge­richt) vor. Nimmt man sich die­se drei Ele­men­te je­doch ein­zeln her, wird man schnell er­ken­nen, wo die Macht liegt. Im Par­la­ment exis­tie­ren ei­ne führen­de Par­tei (Ge­ein­tes Russ­land) und drei wei­te­re völlig vom Kreml abhängi­ge Par­tei­en, was da­zu führt, dass Ge­set­ze­si­ni­tia­ti­ven der Re­gie­rung das Par­la­ment re­gel­recht oh­ne Wi­der­stand pas­sie­ren dürfen, und das Ver­fas­sungs­ge­richt hat auch nicht viel zu mel­den. Die Macht liegt al­so nach wie vor im Kreml, bei der Re­gie­rung un­ter Wla­di­mir Pu­tin, wel­cher als Präsi­dent in ei­ner di­rek­ten, ge­hei­men und of­fi­zi­ell auch de­mo­kra­ti­schen Wahl auf vier Jah­re gewählt wur­de – ja, „wur­de“, denn Pu­tin ließ die Amts­zeit kur­zer­hand auf sechs Jah­re verlängern. Auch wer­den die ein­zel­nen Mi­nis­te­ri­en teil­wei­se di­rekt dem Präsi­den­ten un­ter­stellt, was ei­ner­seits den Par­tei­en, die die Mi­nis­ter auf­grund ih­res Wahl­er­geb­nis­ses stel­len dürfen, eben die­se Kraft in der Re­gie­rung ent­zieht und gleich­zei­tig ein tech­no­kra­ti­sches Ka­bi­nett un­ter Pu­tins Führung schafft.
Durch weit­ver­brei­te­te Kor­rup­ti­on sind in Russ­land Staats­macht und Mo­no­pol­wirt­schaft stark mit­ein­an­der ver­schmol­zen. Auch Pu­tin pro­fi­tiert of­fen­bar von die­sem Sys­te­me, denn selbst vom Ge­halt ei­nes Präsi­den­ten wird man kein Mil­li­ardär. Es gibt kei­ne Be­stre­bun­gen von Sei­ten der Re­gie­rung, das rus­si­sche Kor­rup­ti­ons­wirt­schafts­sys­tem zu verändern; zwar wur­den un­ter Pu­tin ei­ni­ge Re­for­men durch­geführt, wel­che letz­ten En­des aber auch nichts am tie­fen Wohl­stands­gefälle zwi­schen Ärms­ten und Reichs­ten änder­ten.
Das rus­si­sche Volk nimmt die­se Zustände hin, schein­bar mit kaum merk­li­cher Kri­tik. Das liegt ei­ner­seits dar­an, dass wirk­lich vie­le Bürger hin­ter Pu­tins Po­li­tik ste­hen – und das of­fen­bar mit um­ge­kehr­ter Pro­por­tio­na­lität zum west­li­chen Aus­land; so sank der Be­frag­ten­an­teil von mit Pu­tins Po­li­tik Un­zu­frie­de­nen während der Krim-Kri­se von 35% auf 30% –, und an­de­rer­seits, dass die Wil­lens­bil­dung im Vol­ke mas­siv ma­ni­pu­liert wird. Denn wo un­ter Pu­tin Men­schen­rech­te wie z. B. in jüngs­ter Ver­gan­gen­heit das Recht auf se­xu­el­le Selbst­be­stim­mung im­mer wei­ter ab­ge­baut wer­den, wird auch die Pres­se­frei­heit ein­ge­schränkt. (Natürlich nur de fac­to, auf dem Pa­pie­re ste­hen Men­schen­rech­te in Russ­land an obers­ter Stel­le.) Al­le drei lan­des­weit aus­ge­strahl­ten Fern­seh­sen­der in der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on sind un­ter staat­li­cher Kon­trol­le, ähn­lich verhält es sich mit dem Rund­funk und ein Re­dak­teur würde sich so­wie­so nie trau­en, et­was staats­kri­ti­sches in sei­ner Zei­tung ab­zu­dru­cken oder nur da­nach zu re­cher­chie­ren, wenn er an die lan­ge Lis­te auf un­natürli­che Wei­se zu To­de ge­kom­me­ner Jour­na­lis­ten denkt. Hier ist die Zen­sur in den Köpfen der Men­schen, denn sie ha­ben Angst.
Pu­tin hat den Nach­fol­ge­staat der So­wje­tu­ni­on im­mer wei­ter von sei­nen de­mo­kra­ti­schen Anfängen ent­fernt und sich in Russ­land ein Sys­tem ganz nach dem Vor­bil­de der DDR ge­schaf­fen – er war von 1985 bis 1990 KGB-Agent in der DDR –, zu wel­chem auch die Ideo­lo­gie mit dem Feind­bil­de Wes­ten gehört. Der vom Ma­ga­zin „For­bes“ zum ein­fluss­reichs­ten Po­li­ti­ker des Jah­res 2013 Gekürte sieht sich und sein Land von Fein­den um­ge­ben, die Russ­land schwächen und ver­nich­ten wol­len. Die staat­lich kon­trol­lier­te Pres­se ver­brei­tet an­ti­west­li­che Pro­pa­gan­da.
Ein wei­te­res Merk­mal für au­to­ritäre/to­ta­litäre Staa­ten ist ihr Her­um­ge­prot­ze mit ih­rem Waf­fenar­se­na­le. Zwar sind Russ­lands Aus­ga­ben für das Mi­litär we­sent­lich ge­rin­ger als die an­de­rer Großmächte, je­doch sind Mi­litärpa­ra­den wie zu So­wjet­zei­ten – al­so al­les von Fußsol­da­ten bis In­ter­kon­ti­nen­tala­tom­ra­ke­ten quer über den Ro­ten Platz, z. B. jähr­lich am Ta­ge des Sie­ges – und Macht­de­mons­tra­tio­nen wie dem Ein­marsch in Tschet­sche­ni­en und mo­men­tan die Be­set­zung der Krim nicht unüblich. Außer­dem gibt es im­mer wie­der Be­rich­te über Kor­rup­ti­on in­ner­halb der rus­si­schen Streit­kräfte und Mi­liz, für de­ren Er­stat­tung die Jour­na­lis­ten ihr Le­ben ris­kie­ren müssen.
Ich fas­se zu­sam­men: Russ­land ist sei­ner Ver­fas­sung nach ein de­mo­kra­ti­scher Staat, wur­de aber un­ter Pu­tins Re­gent­schaft in einen au­to­ritären Staat mit to­ta­litär-ty­pi­scher Ideo­lo­gie um­ge­bil­det. Man spricht von ei­ner ge­lenk­ten De­mo­kra­tie. Ob­wohl die Men­schen- und die Völker­rechts-, die In- und die Aus­lands­po­li­tik Wla­di­mir Pu­tins so­wie wei­te­re an­dau­ern­de Miss­stände im Lan­de vom Wes­ten ver­ur­teilt wer­den, ste­hen wei­te Tei­le der rus­si­schen Bevölke­rung hin­ter ih­rem, ich wa­ge zu be­haup­ten „ty­pisch rus­si­schen“, Anführer.

Quellen:
abendblatt.de, am 17.03.14 um 18:00 Uhr
spiegel.de, am 17.03.14 um 18:00 Uhr
wikipedia.org, am 17.03.14 um 18:00 Uhr
laender-analysen.de, am 17.03.14 um 18:00 Uhr
wikipedia.org, am 17.03.14 um 18:00 Uhr

Samstag, 6. Dezember 2014

Der Mönch
 La monaĥo


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Neu­lich ha­be ich von ei­ner in­ter­essan­ten Le­gen­de gehört: Der Mönch von Heis­ter­bach. Sie han­delt von der Re­la­ti­vität von Raum und Zeit und, wie der Na­me schon sagt, ei­nem Mönch, na­mens Ivo. Ich wer­de sie kurz frei nach­erzählen:

Ivo leb­te im be­sag­ten Klos­ter (um das Jahr 12201) und hat­te die Wis­sen­schaft als Frei­zeit­beschäfti­gung, was ihn des Öfte­ren an der hei­li­gen Schrift zwei­feln ließ. So zwei­fel­te er auch, als er im Psalm 90 auf den Vers "Tau­send Jah­re sind vor Gott wie ein Tag" stieß und frag­te sich, ob das sein und wie Gott so et­was wie die mächti­ge Zeit kon­trol­lie­ren könne. Da hörte er im Klos­ter­gar­ten den Ge­sang ei­nes ihm frem­den Vo­gels und er such­te den Vo­gel und folg­te ihm in den Wald hin­ein. Im­mer tiefer und tiefer, bis der Mönch nicht mehr konn­te und sich zum Aus­ru­hen hin­setz­te und ein­sch­lief. Als er nach gefühlt ein paar Stun­den auf­wach­te, war der Vo­gel fort und Ivo mach­te sich auf und ging zurück ins Klos­ter. Dort aber er­kann­te ihn nie­mand und auch er er­kann­te nie­man­den. Er nann­te sei­nen Na­men und den Na­men sei­nes Ab­tes und die Mönche schlu­gen in al­ten Schrift­rol­len nach und fan­den her­aus, dass seit dem Ver­schwin­den Ivos 300 Jah­re ver­gan­gen wa­ren. Und nach­dem Ivo die Er­kenn­tis über­kom­men hat­te, dass die Macht Got­tes über Zeit und Raum hin­aus­geht, sank er zu Bo­den und starb.

So, se­hen wir von dem re­li­giösen Hin­ter­grund und dem plötz­li­chen En­de weg und nun stellt euch mal vor, ihr würdet auf­wa­chen und seit eu­rem Ein­schla­fen sei­en 300 oder gar 1000 Jah­re ver­gan­gen. Ihr kämt in eu­er ehe­mals trau­tes Heim und dort leb­ten Men­schen, die euch nicht kenn­ten und die ihr nicht kenn­tet, al­les sähe verändert aus, ihr wärt schlicht und ein­fach hilf­los. Man kann sich nur schwer vor­stel­len, wie es in 300 Jah­ren aus­se­hen wird; des­we­gen könn­te man sich viel­leicht in je­man­den hin­ein­ver­set­zen, der um 1700 ge­bo­ren wur­de und in un­se­rer heu­ti­gen Zeit auf­wacht.

Zu­min­dest soll­te es kei­ne all­zu großen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­schwie­rig­kei­ten ge­ben, da in Deutsch­land auch vor 300 Jah­ren schon Neu­hoch­deutsch ge­spro­chen wur­de. Aber an­sons­ten: Völlig an­de­re po­li­ti­sche, so­zia­le, ideo­lo­gi­sche usw. Verhält­nis­se. Ich woll­te hier nur den Denk­an­stoß ge­ben. Malt es euch sel­ber aus!
1Zeit­an­ga­be: http://www.on­li­ne­zei­tung24.de/ar­tic­le/4549

An­taŭ ne­lon­ge mi aŭdis pri in­te­resa le­gen­do: La mo­naĥo de Heis­ter­bach. Ĝi ra­kon­tas pri la re­la­ti­ve­co de spa­co kaj tem­po kaj, kiel la ti­to­lo el­di­ras, mo­naĥo, no­me Ivo. Mi la­pi­da­re re­ra­por­tos ĝin:

Ivo vi­vis en la men­ci­ita mo­naĥejo (prok­si­mu­me ja­re 12201) kaj ha­vis la scien­con ol ho­bio, kio la­sis du­bi lin pli of­te pri la sank­ta skri­bo. Tiel li an­kaŭ du­bis, kiam li le­gis en la psal­mo 90 la ver­son "Ĉe la Sin­jo­ro mil jaroj estas kiel unu ta­go" kaj de­man­diĝis, ĉu po­vas tio es­ti kaj kiel Dio ion for­tan kiel la tem­po kon­tro­li. Su­bi­te li aŭdis en la mo­naĥeja ĝar­de­no la kan­ta­don de frem­da bir­do kaj li serĉis la bir­don kaj al­sek­vis ĝin en la arb­aron. Pli mal­al­te kaj pli mal­al­te, ĝis la mo­naĥo ne plu po­vas iri kaj pro ri­po­zo si­diĝis kaj ek­dor­mis. Kiam li ek­mal­dor­mis post tak­sa­te kel­kajn ho­rojn, ti­am la bir­do for­es­tis kaj Ivo eki­ris reen al la mo­naĥejo. Sed tie ne­niu ek­ko­nis lin kaj an­kaŭ li ne­ni­un ek­ko­nis. Li no­mis li­an no­mon kaj la no­mon de lia su­perio­ro kaj la mo­naĥoj le­gu­mis mal­no­vajn vo­lu­mojn kaj el­tro­vis, ke ek­de la for­mal­ape­ro de Ivo pa­sis 300 jaroj. Kaj post la ek­ko­no surfer­de­kis Ivon, ke la for­to de Dio estas pli gran­da ol tem­po kaj spa­co, li fa­lis sur grun­don kaj mor­tis.

Do, ni in­tence ignoru la re­li­gi­an fun­don kaj la sub­itan fi­non kaj nun ima­gu, ke vi ve­kiĝas kaj ek­de via ek­dor­mo 300 aŭ 1000 jaroj estas pa­sin­taj. Vi ve­nus en vi­an ia­man fa­mi­lia­ran hej­mon kaj ĉi tie nun vi­vus ho­moj, ki­uj ne ko­nus vin kaj ki­ujn ne ko­nus vi, ĉio aspek­tus ŝanĝita, vi sim­ple­ge es­tus sen­hel­paj. Oni nur mal­sim­ple po­vas ima­gi, kiel la mondo aspek­tos en 300 jaroj; pro tio oni eble po­vus ima­gi iun, kiu nas­kiĝis ĉir­kaŭ 1700 kaj ek­mal­dor­mas en nia ak­tua­la tem­po.

Al­me­naŭ de­vus ek­zis­ti ne­niaj tro gran­daj ko­mu­ni­ka­ciaj pro­blem­oj, ĉar en Ger­ma­nu­jo an­kaŭ jam an­taŭ 300 jaroj no­van alt­ger­manan ling­von es­tis pa­ro­li­ta. Sed ali­ka­ze: To­ta­le aliaj po­li­ti­kaj, so­ciaj, ideo­lo­gia ktp. ri­la­toj. Mi nur vo­lis do­ni al ni la pens­ins­ti­gon. Ima­gu vi mem!
1Tem­pa in­di­ko: http://www.on­li­ne­zei­tung24.de/ar­tic­le/4549

Dienstag, 2. Dezember 2014

Advent, Advent, ein Kraftwerk brennt


Deutsch

Ein schönes Ge­schicht­chen zum 1. Ad­vent gibt's hier. Ich er­in­ne­re mich noch dar­an, wie un­se­re Phy­sik­leh­re­rin es uns jähr­lich vor­ge­le­sen hat. Viel Spaß da­mit!

Montag, 1. Dezember 2014

Blick


Deutsch

Wie üblich kommt das (in die­sem Jahr letz­te) Mo­nats­ge­dicht.

Blick von Til­ly Dö

Im Schla­fe hatt' ich die Vi­si­on,
Ich fühlt' mich mit­ten­drin,
Von ei­ner mächti­gen Na­ti­on –
Da will ich wie­der hin!

Die Macht dort wird vom Volk gewählt
Vom Vol­ke uni­form,
Denn al­les ist, was hier­bei zählt,
Die ein­heit­li­che Norm.

Es gibt kein „In­di­vi­du­um“,
Das and­ren will ge­fal­len.
Auch gibt es kein Ei­gen­tum,
Denn al­les dort ist al­len.

Arm und Reich mit­nich­ten,
Tren­nung nicht nach Ras­sen,
Tei­lung nicht in Schich­ten,
Ord­nung nicht in Klas­sen.

Die Wirt­schaft wird zen­tral ge­lenkt
Von der großen Macht,
Was je­des Ich im Wir ver­senkt,
Was kei­nen Egost­reit ent­facht.

Sol­da­ten lau­fen durch die Gas­sen,
Droh­nen sau­sen übern Him­mel,
Zu brin­gen Ord­nung in die Mas­sen,
Zu pas­sen auf in dem Ge­wim­mel.

In die­sem Land ist je­der gleich
Im Den­ken und im Sin­nen.
So träum ich mir ein star­kes Reich;
Stark nach außen und in­nen.