Seiten

  • Startseite
  • Impressum
  • Inhalt
  • MINT
  • Sprache
  • Soziales
  • Geist
  • Kunst
  • Gemischtes
  • Gedichte

Donnerstag, 13. November 2014

Über eine Entdeckung von Wörtern im Alltag


Deutsch

Ich schrie­be ja wirk­lich ger­ne über et­was, das ich ge­ra­de im Stu­di­um ler­ne. Aber der Punkt, an dem die Po­pulärwis­sen­schaft aufhört, ist schon über­schrit­ten. Al­so kommt heu­te et­was aus mei­nem All­tag.
Das mit dem Wörte­rer­fin­den ist ja so ei­ne Sa­che. Ist ein Wort er­fun­den, nur weil es noch nir­gend­wo in der (do­ku­men­tier­ten) Sprech- und Schrift­ge­schich­te auf­tauch­te? Ich be­zeich­ne­te dies eher als Ent­de­ckung. Denn ei­gent­lich wa­ren al­le Bau­stei­ne, d. h. Ba­sen und Af­fi­xe, für die Kon­struk­ti­on ei­nes neu­en Wor­tes ja schon vor­han­den, be­vor man sie zu­sam­men­setz­te.
Ich schrei­be ge­ra­de heu­te darüber, weil mir heu­te oh­ne großes Nach­den­ken hin­ter­ein­an­der die Sätze Es sind aber zwei Tschüsse ge­fal­len. und Das wer­de ich gleich mal du­deln. über die Lip­pen ge­gan­gen sind.
Tschüsse und du­deln. Was hat das Ge­hirn ge­macht? Es hat fest­ge­stellt, dass das be­reits vor­han­de­ne Vo­ka­bu­lar nicht mehr aus­reicht, um die Ge­dan­ken so in Wor­te zu fas­sen, dass der Hörer sich et­was dar­un­ter vor­stel­len kann, das in et­wa dem Ge­dach­ten ent­spricht. Tschüss steht als sächli­ches Sub­stan­tiv durch­aus im Du­den, nur aber mit dem Plu­ral Tschüss. Und das war dem Spre­cher natürlich be­kannt. Al­so warum sag­te er dann Tschüsse?
Fol­gen­der Kon­text lag vor: Drei Per­so­nen ver­ab­schie­de­ten sich, aber es war nur zwei mal das Wort Tschüss zu hören. Mir war al­so nicht ganz klar, wie oft über­haupt Tschüss ge­sagt wur­de und von wem, zu wem und in wel­cher Rei­hen­fol­ge. Sol­che Fra­gen spie­len natürlich auch in der Bal­lis­tik ei­ne Rol­le, wenn es dar­um geht, wer wann und auf wen einen Schuss ab­ge­ge­ben hat. Auch die Wort­kom­bi­na­ti­on Schüsse fal­len ist ge­bräuch­lich. Und so wur­de eben statt es sind Tschüss ge­fal­len in­tui­tiv es sind Tschüsse ge­fal­len ge­sagt, auch, um dem Hörer klarzu­ma­chen, dass die Wor­te in Ge­dan­ken mit Schüssen as­so­zi­iert wur­den.
Nach­dem ich es aus­ge­spro­chen hat­te, fand mein in­ne­res Sprach­verständ­nis dann aber auch, dass Tschüsse kein Wort der for­ma­len deut­schen Spra­che ist und brach­te mich ins Zwei­feln. Und bei sol­chen Zwei­feln schaue ich natürlich im Du­den nach.
Warum sag­te ich nun aber du­deln an­statt im Du­den nach­schla­gen. Du­deln exis­tiert be­reits als Wort, aber mit ei­ner völlig an­de­ren Be­deu­tung, wel­che der Hörer in die­sem Mo­ment so­fort aus­schloss. Be­trach­ten wir al­so die zwei­te­re Va­ri­an­te: Et­was im Du­den nach­schla­gen klingt nach ei­nem großen Buch, das man auf­schla­gen muss, nach ei­nem klei­nen Auf­wand, nach ei­ner Ak­ti­on, die nicht so mal eben aus­geführt wird. Aber ge­nau dafür muss­te ein Verb her: etw. oh­ne großen Auf­wand im Du­den nach­schla­gen. Und da für die­se spe­zi­el­le Hand­lung noch kei­nes im ak­ti­ven Wort­schat­ze des Spre­chers war, wur­de halt ein neu­es hin­zu­gefügt. Wenn auch nach fragwürdi­gen mor­pho­lo­gi­schen Re­geln.
Du­den ist zunächst ein Sub­stan­tiv, hier in der Be­deu­tung Wörter­buch ge­braucht. Die En­dung -en lässt das gan­ze aber auch ein­fach in ein Verb (ich du­de, du du­dest, er du­det usw.) um­for­men. Die Ver­ben­dung -eln hat im Deut­schen letzt­lich auch zwei Be­deu­tun­gen, die ite­ra­ti­ve und die di­mi­nu­ti­ve. Da aber klar ist, dass ich nicht im­mer und im­mer wie­der ein und das­sel­be Wort im Du­den nach­schla­gen würde, fiel die ite­ra­ti­ve Be­deu­tung dem Kon­text zum Op­fer und es blieb die di­mi­nu­ti­ve, d. h. ver­klei­nern­de. Außer­dem wird du­deln dem Klang nach auch wie­der mit goo­geln in Ver­bin­dung ge­bracht und es wird mit dem Wor­te du­deln aus­drück­lich ge­sagt, dass man eben nicht Goo­gle, son­dern den Du­den be­nutzt, aber trotz­dem auf ei­ne ähn­li­che Art und Wei­se.
Wer mal auf sei­ne Sprech­pro­duk­te ach­tet, wird auch bei sich hin und wie­der ein bis­her un­be­kann­tes Wort ent­de­cken ... Das war's.

1 Kommentar: