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Freitag, 7. November 2014

Der Sinnträger 女
 Significum 女


DeutschLatina

Heu­te gibt es mal wie­der et­was über chi­ne­si­sche Zei­chen. Und zwar soll es um das Ideo­gramm 女 () für „Frau“ ge­hen. Als Sinn­träger fin­det man es z. B. in Ver­wandt­schafts­be­zeich­nun­gen für weib­li­che Per­so­nen: 妈=⿰女马 (; , )[1] für die Mut­ter, 姐=⿰女且 (jiě; , qiě) für die älte­re Schwes­ter und 妹=⿰女未 (mèi; , wèi) für die jünge­re Schwes­ter, 奶=⿰女 (nǎi; , nǎi) für die Großmut­ter väter­li­cher­seits[2] usw. Im Wor­te für „Mädchen“, wel­ches aus zwei Zei­chen be­steht, steckt der Sinn­träger gleich zwei mal: 姑娘 (gūni­ang)[3]. In Per­so­nal­pro­no­men steht der Sinn­träger 女 () als weib­li­ches Ge­genstück zu 亻 (rén): 他=⿰亻也 (; rén, ) – „er“ und 她=⿰女也 (; , ) – „sie“ so­wie 你=⿰亻尔 (; rén, ěr) – „du“ und 妳=⿰女尔 (; , ěr) – „du“ (ex­pli­zit weib­lich). Die weib­li­chen Per­so­nal­pro­no­men sind al­ler­dings Neue­run­gen in der chi­ne­si­schen Schrift­spra­che, bei an­de­ren Zei­chen funk­tio­niert das Prin­zip der Aus­tausch­bar­keit von 亻 (rén) und 女 () nicht: 娥=⿰女我 (é; , ) be­deu­tet „schön(e Frau)“ und 俄=⿰亻我 (é; rén, ) be­deu­tet „rus­sisch“. Der Sinn­träger für Frau steckt außer­dem in vie­len Schrift­zei­chen, die die An­schau­un­gen der al­ten Chi­ne­sen[4] auf ei­ne in­ter­essan­te Wei­se bild­lich dar­stel­len. So be­deu­tet ei­ne Frau un­ter ei­nem Dache 安=⿱宀女 (ān; miān, ) so­viel wie „Ru­he“ und „Si­cher­heit“, wo­hin­ter sich die Vor­stel­lung ver­birgt, dass man nur mit ei­ner Frau un­ter sei­nem Dache in Ru­he le­ben kann. (Zwei Frau­en hin­ge­gen würden sich ständig strei­ten.) Ja, es gibt so­gar ein Zei­chen für „Zoff“, be­ste­hend aus zwei Frau­en, aber oh­ne Dach: 奻=⿰女女 (nuán; , ). So lo­gisch, wie man jetzt viel­leicht den­ken mag, ist das Chi­ne­si­sche (wie al­le natürli­chen Spra­chen) dann aber auch wie­der nicht. Bei­spiel: Wirft man drei Bäume auf einen Hau­fen – 森⿱木林 (sēn; , lín) –, be­kommt man einen Wald. Und wirft man drei Men­schen auf einen Hau­fen – 众=⿱人从 (zhòng; rén, cóng) –, be­kommt man ei­ne Men­schen­men­ge. Wirft man aber drei Frau­en auf­ein­an­der – 姦=⿱女奻 (jiān; , nuán) –, dann be­kommt man einen Verräter[5]. Der Bei­trag soll nun aber nicht da­mit en­den, dass mit Frau­en schlech­te Din­ge in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den. Ganz im Ge­gen­teil: Das Zei­chen für „gut“ ist 好=⿰女子 (hǎo; , ) und zeigt ei­ne Frau und ein Kind.
[1]Lies: ist von links nach rechts .
[2]Das Zei­chen be­deu­tet auch „Brust“ und „Milch“.
[3]Der Vollständig­keit hal­ber: 姑=⿰女古 (gūn; , ); 娘=⿰女良 (niáng; , liáng).
[4]Ich schrei­be an die­ser Stel­le be­wusst von „al­ten Chi­ne­sen“, da mir zum ak­tu­el­len The­ma auch ein Schrift­zei­chen einfällt, wel­ches von der neu­en Ge­ne­ra­ti­on Chinas kre­i­ert wur­de: ein Ideo­gramm für „Klatsch“, be­ste­hend aus vier Mündern 口 (kǒu) und ei­ner Frau 女 (), an­ge­ord­net wie im Zei­chen 器=⿳吅犬吅 (; xuān, quǎn, xuān). (Nach­zu­le­sen auf Si­nop­li­ce.)
[5]Bei 姦 (jiān) han­delt es sich um ein Lang­zei­chen. Das da­zu­gehöri­ge Kurz­zei­chen ist 奸 (jiān). Es hat übri­gens noch weitaus schlim­me­re Be­deu­tun­gen als „Verräter“.

Ho­die ite­rum ali­quid de sig­nis Si­nis est. The­ma sig­num 女 () pro „fe­mi­na“ est. Sig­ni­fi­ce id e. g. in de­no­mi­na­tio­ni­bus cog­na­tio­nis pro per­so­nis fe­mi­ni­nis re­pe­rit: 妈=⿰女马 (; , )[1] pro ma­tri­bus, 姐=⿰女且 (jiě; , qiě) pro so­ro­re maio­re na­tu et 妹=⿰女未 (mèi; , wèi) pro so­ro­re mi­no­re na­tu, 奶=⿰女 (nǎi; , nǎi) pro avia ava pa­ter­no ge­ne­re[2] etc. In ver­bo por „puel­la“, quod ex duo­bus ver­bis con­stat, sig­ni­fi­cum ve­ro bis in­est: 姑娘 (gū­niang)[3]. In pro­no­mi­ni­bus per­so­na­li­bus sig­ni­fi­cum 女 () fe­mi­ni­num con­tra­ri­um de 亻 (rén) est: 他=⿰亻也 (; rén, ) – „is“ et 她=⿰女 也 (; , ) – „ea“ si­cu­ti 你=⿰亻尔 (; rén, ěr) – „tu“ et 妳=⿰女尔 (; , ěr) – „tu“ (ex­pli­ci­te fe­mi­ni­num). Fe­mi­ni­na pro­no­mi­na per­so­na­lia ali­quid no­vi in Si­nis scrip­tis sunt, 亻 (rén) et 女 () in ali­is sig­nis com­mu­ta­re non pot­est: 娥=⿰女我 (é; , ) sig­ni­fi­cat „pulchra (adules­cens)“ et 俄=⿰亻我 (é; rén, ) sig­ni­fi­cas „Rus­sia“. Sig­ni­fi­cum pro fe­mi­na eti­amnum in mul­tis sig­nis, quae sen­ten­ti­as Si­ni­corum an­ti­quorum[4] pic­te ex­po­nent, in­est. Ita fe­mi­na sub tec­to 安=⿱宀女 (ān; miān, ) „si­len­ti­um“ et „se­cu­ri­tas“ signi­fi­cat, cum ima­gi­na­tio­ne, ut cum una fe­mi­na sub suo tec­to tan­tum in­tre­pi­de vi­ve­re pos­sit. (Con­tra duae fe­mi­nae per­pes iur­ga­rent.) Ita eti­am sig­num ex duo­bus fe­mi­nis, sed si­ne tec­to, con­stans pro „iur­gi­um“ est: 奻=⿰女女 (nuán; , ). Sed ita lo­gi­ca, ut nunc sus­pi­ce­tur, lingua Si­na (si­cut om­nes linguae na­tu­ra­les) non est. Ex­emplum: Si tres ar­bo­res con­icit – 森⿱木林 (sēn; , lín) –, sil­vam adi­pis­ci­tur. At­que tres ho­mi­nes con­icit – 众=⿱人从 (zhòng; rén, cóng) –, tur­bam adi­pis­ci­tur. Sed tres fe­mi­nas con­icit – 姦=⿱女奻 (jiān; , nuán) –, pro­di­to­rem adi­pis­ci­tur[5]. Sed col­la­tio­nem cum ma­la ora­tio­ne de fe­mi­nis fi­ni­re non vo­lo. To­ta­li­ter e con­tra­rio: Sig­num pro „bo­nus“ 好=⿰女子 (hǎo; , ) est et fe­mi­nam­que fi­li­um mons­trat.
[1]Le­ge: a sin­sitra ad dex­tram est.
[2]Sig­num quo­que „mam­ma“ et „lac“ sig­ni­fi­cat.
[3]Com­pleo: 姑=⿰女古 (gūn; , ); 娘=⿰女良 (niáng; , liáng).
[4]Hic pru­den­ter de „Si­ni­cis an­ti­quis“ scri­bo, quod mi­hi ad the­mam eti­am sig­num a no­va ge­ne­ra­tio­ne Si­nae crea­tu­rum suc­cur­rit: sig­num pro „ser­mun­cu­lus“, ex quat­tuor ori­bus 口 (kǒu) et una fe­mi­na 女 () con­stans, ex­or­na­tu­ri qua­lis in sig­no 器=⿳吅犬吅 (; xuān, quǎn, xuān). (Com­pa­ra Si­no­spli­ce.)
[5]姦 (jiān) sig­num tra­di­tio­na­le est. Cog­nan­tum sig­num simplum 奸 (jiān) est. Ce­te­ro eti­am longe peio­rem sig­ni­fi­can­ti­as quam „pro­di­tor“ ha­bat.

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