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Montag, 11. August 2014

Die Übereinstimmung ... Ü


Deutsch

Es­pe­ran­to ist zwar ei­ne Plan­spra­che, un­ter­liegt aber auch dem ste­ti­gen Wan­del, dem ge­spro­che­ne Spra­chen im Lau­fe der Zeit un­ter­lie­gen. Die fol­gen­de Stro­phe ent­stammt ei­nem Lied, wel­ches Za­men­hof, der Schaf­fer Es­pe­ran­tos, in frühen Jah­ren schrieb. Es ist in Ure­s­pe­ran­to[1] von 1878 (Ei­gen­bez.: Ling­we un­i­wer­sa­la; epo.: Pra-Es­pe­ran­to) ver­fasst.
Malamikete de las nacjes,
Kadó, kadó, jam temp' está;
La tot' homoze in familje
Konunigare so debá.
Die­sel­be Stro­phe im Ure­s­pe­ran­to von 1881 (Ei­gen­bez.: Ling­vo uni­ver­sa­la) lau­tet wie folgt:
Malmiketo de la nacjoj,
Kadó, kadó, jam temp' esté;
La tot' homozo in familjo
Konunigi sol debé.
Und schließlich der Ver­gleich zur endgülti­gen und heu­ti­gen Ver­si­on von Es­pe­ran­to:
Malamikeco de la nacioj,
Falu, falu, jam temp' estas;
La tuta homaro en familion
Kununuigi sin devas.
Das war aber noch nicht al­les. Um alt­klin­gen­de Pas­sa­gen in Es­pe­ran­to schrei­ben zu können, wur­de ei­ne wei­te­re Va­ri­an­te von Es­pe­ran­to kre­i­ert; ge­nannt ar­chai­sches Es­pe­ran­to (Ei­gen­bez.: ar­cai­cam Es­pe­ran­tom; epo.: ar­kai­ka Es­pe­ran­to).
Malamiquetzom natzioyd,
Phalu, phalu, yamen temp' estat;
Tutam homarom in unun  phamilion
Cumunuiugui sihin dewat.
Von Es­pe­ran­to ab­ge­lei­te­te Spra­chen und Va­ri­an­ten be­zeich­net man als Es­pe­ran­ti­den. Und da die­se Spra­chen so­gar ih­re ei­ge­ne Be­zeich­nung ha­ben, liegt die Ver­mu­tung na­he, dass es da­von noch ei­ne gan­ze Rei­he gibt. Der ver­brei­tets­te Es­pe­ran­tid ist Ido.
Enemiko de la nacioni,
Falez, falez, ja temp' esas;
Tota homaro en familio
Kununigar devas.
Um zu zei­gen, wie ähn­lich sich all die­se Es­pe­ran­to-Va­ri­an­ten sind, kommt nun der glei­che Text in ei­ner an­de­ren, nicht mit Es­pe­ran­to ver­wand­ten Plan­spra­che, in In­ter­lin­gua:
Inamicitate del nationes,
Falle, falle, jam tempore esse;
La integre humanitate in un familia
Junger se debe.
Und schlus­send­lich das Gan­ze auf Eng­lisch als Über­set­zung:
Enmity of nations,
Fall, fall, it is time;
All humanity in a family
Must unite.
Die Über­ein­stim­mung ei­nes Tex­tes zum Es­pean­to-Text be­rech­ne ich mit die­ser For­mel[2]:
Dar­aus er­ge­ben sich die Über­ein­stim­mun­gen:
L1Ü in %
Ure­s­pe­ran­to (1878)60.828664799253
Ure­s­pe­ran­to (1881)69.126984126984
Es­pe­ran­to100
ar­chai­sches Es­pe­ran­to47.010582010582
Ido71.211484593838
In­ter­lin­gua37.597001763668
Eng­lisch27.202380952381
Man sieht, dass das Ure­s­pe­ran­to und Ido die größten Über­ein­stim­mun­gen mit dem heu­ti­gen Es­pe­ran­to ha­ben. Das liegt na­he, da Ure­s­pe­ran­to der Vorläufer und Ido ei­ne Ab­lei­tung von Es­pe­ran­to ist. Das ar­chai­sche Es­pe­ran­to soll be­wusst et­was an­ders aus­se­hen als das nor­ma­le Es­pe­ran­to, aber trotz­dem für einen Es­pe­ran­to­spre­cher er­kenn­bar sein. In­ter­lin­gua und Eng­lisch sind nicht mit Es­pe­ran­to ver­wandt, wes­we­gen sie die kleins­ten Über­ein­stim­mun­gen auf­wei­sen, wo­bei In­ter­lin­gua und Es­pe­ran­to bei­de Plan­spra­chen sind, die nach ei­nem ähn­li­chen Prin­zip ent­wi­ckelt wur­den.

Nun kann man die glei­che For­mel ver­wen­den, um die pro­zen­tua­len Über­ein­stim­mungn vom Alt- und Mit­tel­hoch­deut­schen mit dem Neu­hoch­deut­schen zu er­rech­nen. Als Text­grund­la­ge dient ein Ge­dicht von Walt­her von der Vo­gel­wei­de, wel­ches von ihm natürlich auf Mit­tel­hoch­deutsch ver­fasst wur­de.
Dû bist mîn, ich bin dîn:
Des solt dû gewis sîn.
Dû bist beslozzen
In mînem herzen:
Verlorn ist das slüzzelîn:
Dû muost immer drinne sîn.
Ins heu­ti­ge Hoch­deutsch übert­ra­gen lau­tet es wie folgt:
Du bist mein, ich bin dein:
Des sollst du gewiss sein.
Du bist beschlossen
In meinem Herzen:
Verloren ist das Schlüsselein:
Du musst immer drinnen sein.
Die alt­hoch­deut­sche Über­set­zung ist von mir; sie könn­te dem­zu­fol­ge Feh­ler ent­hal­ten.
Dū bist mīn, ih bim dīn:
Dës sculis dū giwis sīn.
Dū bist bislozan
In mīnemu herza:
Firlosan ist daȥ sluzzilīn:
Dū muazis iomēr dār innana sīn.
Wen­det man die For­mel auf die­se drei Tex­te mit dem neu­hoch­deut­schen Text als Ver­gleich­spa­ra­me­ter an (oh­ne Rück­sicht auf Dia­kri­ti­ka), so erhält man fol­gen­de Über­ein­stim­mun­gen:
L1Ü in %
Alt­hoch­deutsch71.241830065359
Mit­tel­hoch­deutsch84.313725490196
Neu­hoch­deutsch100
Die­se Bei­spie­le sind zwar noch kein Be­weis dafür, dass Vor­for­men von Spra­chen sich im Lau­fe der Zeit pro­zen­tu­al im­mer näher an die heu­ti­ge Form der Spra­che annähern, aber die Ver­mu­tung liegt zu­min­dest na­he.
[1] im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch nennt man Ur­spra­chen auch Pro­to-Spra­chen (vgl. Eng­lisch) → Pro­to-Es­pe­ran­to
[2] Er­klärung: Die Über­ein­stim­mung von je­dem Wort mit sei­nem Äqui­va­lent im Ver­gleichs­text wird auf­sum­miert und an­sch­ließend durch die Ge­samt­zahl der Wörter ge­teilt. Exis­tiert in ei­ner der bei­den Spra­chen kein Äqui­val­ent­wort (das ist häufig bei Ar­ti­keln der Fall), dann wird mit dem lee­ren Wort ver­gli­chen; ist die Wort­rei­hen­fol­ge in den bei­den Spra­chen ver­schie­den (z. B. bei Eng­lisch), so wer­den die Wörter für den Ver­gleich ent­spre­chend um­ge­stellt; be­steht ein Wort im Ver­gleichs­text aus zwei Wörtern, so wird die­ses wie ein Wort und das Leer­zei­chen wie ein Ex­tra­buch­sta­be be­han­delt. Groß- und Klein­schrei­bung wird nicht be­ach­tet.

Kommentare:

  1. Urgermanisch:
    Ϸū izi mīnaz, ek immi þīnaz:
    Ϸas skalt þū wissaz wesaną.
    Ϸū izi bislutanaz
    In mīnammai hirtini:
    Fraluzanaz isti sa slutilaz:
    Ϸū mōst semla þar innanē wesaną.
    Ü = 41.176470588235

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