Seiten

  • Startseite
  • Impressum
  • Inhalt
  • MINT
  • Sprache
  • Soziales
  • Geist
  • Kunst
  • Gemischtes
  • Gedichte

Montag, 21. April 2014

Auf der Spur des Kausativs

In vielen Sprachen der Welt gibt es kausative Verben. In manchen werden sie grammatisch gebildet, in anderen wie dem Deutschen oder Englischen sind sie historisch gewachsen. Häufig erkennt man sie an einer Vokaländerung der Wortwurzel. Für einen Nichtlinguisten erscheint diese Bildung wohl willkürlich bzw. unsystematisch und es stimmt durchaus, dass das deutsche Verbsystem heutzutage keinen grammatischen Kausativ mehr vorsieht. Allerdings war das nicht immer so. Im Germanischen wurde ein Kausativ gebildet, indem an den Wortstamm ein -ian angehängt wurde. Das I veränderte jedoch den vorherigen Vokal, was man als I-Umlaut, bezeichnet. Später entfiel es als Folge von Erosion und heute deutet nichts mehr auf das ursprüngliche Kausativsuffix hin. Die folgende Tabelle zeigt an zwei Beispielen die Entstehung der kausativen Verben fällen und tränken.1

Nhd.
Grundverb
Proto-Germ. Wurzel
plus Kausativsuffix
I-Umlaut-
Bildung
Ahd. Verb nach
Erosion des Is
Nhd.
Kausativverb
fallen*fall-ian*fell-ianfellenfällen
trinken*drink-ian*drenk-iantrenkentränken

Eine Liste mit weiteren Beispielen im Deutschen:
biegen   beugen
blicken   blecken
dringen   drängen
dünken   denken
fahren   führen
fließen   flößen
futtern   füttern
haften   heften
kranken   kränken
lauten   läuten
liegen   legen
prallen   prellen
rinnen   rennen
saufen   säufen
saugen   säugen
schallen   schellen
schwanken   schwenken
schwimmen   schwemmen
schwinden   schwenden
sinken   senken
sitzen   setzen
springen   sprengen
walzen   wälzen
wiegen   wägen
winden   wenden
ziemen   zähmen
zwingen   zwängen

1 Quelle: Deutscher, Guy: Du Jane, ich Goethe – Eine Geschichte der Sprache, S. 319

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen