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Freitag, 29. November 2013

Re: Konfliktfreie Gesellschaft

Bist du wirklich der Ansicht, dass der Kommunismus am Ende stehen wird? Irgendwie waren die Leute im Sozialismus schon nicht zufrieden. Irgendwie wird es immer entgegengesetzte Meinungen und Bestrebungen geben und wenn ich diesen Konflikt lösen will, dann kann die Lösung doch nicht für eine (meinetwegen) Minderheit sein, sich dem System total zu beugen und stumpf zu werden und nichts mehr zu hinterfragen.

Ich sagte ja nicht, dass er bald kommen wird. Kennst du "Menschen, Göttern gleich"? Gutes Buch. Beschreibt eine utopische Gesellschaft. Die Menschen leben dort (freiwillig) im Kommunismus. Er hat sich dort nach und nach so entwickelt. Und ich finde diese Hypothese gar nicht so schlecht. Der Kapitalismus wird jedenfalls nicht am Ende stehen, da bin ich mir sicher. Und das Ende sei definiert als eine konfliktfreie Gesellschaft.

Vielleicht gibt es kein Ende.

Naja, in naher Zukunft bestimmt nicht. Ein Nationalstaatgefüge passt nämlich nicht zu dieser Gesellschaft und ehe wir in eine staatenfreie Gesellschaft übergehen, werden wohl noch einige Jahrhunderte verstreichen.

Das sowieso. […] Ich stehe nicht einmal gegen den Kommunismus, ich stehe nicht gegen das Prinzip, was der Kommunismus vertritt oder so. Ich habe vielleicht aufgehört, darüber nachzudenken oder intensiver nachzudenken. Es wird einem so eingeredet: Kommunismus ist schlecht, kann nicht klappen, aus dem und dem und dem und dem Grund und außerdem wegen der Geschichte. Und ich schaue in die Geschichte und sehe: Ja, es hat irgendwie nicht geklappt, aber irgendwie hat man auch nicht versucht, den Kommunismus zu erschaffen oder vielleicht ist der Weg zu schwer oder die Gesellschaft nicht bereit genug. Wie bei einer chem. Reaktion: Man muss erst über den Aktivierungsenergieberg, bevor das entsteht, was man will. Vielleicht muss man erst über den Sozialismus, meinetwegen, nur eine Gedankenexperiment, und der ist der Berg, den niemand erklimmen will, an dem alle scheitern, weil die Menschen keinen Bock auf Sozialismus haben.

Noch nicht. Irgendwann werden sie es vielleicht verstehen. Aber das, was wir bis jetzt an Kommunismus hatten, ist nicht der Kommunismus von dem ich und wahrscheinlich auch Marx rede(te)n. Man muss unterscheiden: Idealkommunismus -- Realkommunismus. Letzterer wird einem Volke oft aufgezwungen. Es gibt eine Regierung, die nur Macht haben möchte, und den Menschen geht es nicht sehr gut. Dort gibt es auch Konflikte. Deshalb steht er nicht am Ende. Und ging zu Grunde.

Deshalb sagte ich: Sie haben gar nicht versucht, den Kommunismus zu errichten -- den Idealkommunismus.

Ja, noch nicht. Der Kommunismus ist in meinen Augen so fern, dass ich den Weg dorthin nicht kenne. Aber wenn man sich die Menschen, mit denen man so zu tun hat, mal anschaut, dann ist bereits der Sozialismus in weiter Ferne. Denn dazu muss man sozial sein. [...] Viele utopische Gesellschaften aus allerlei Medien sind kommunistisch.

[...]

Ich würde mir jedenfalls für die Menschheit wünschen, irgendwann eine konfliktfreie Gesellschaft zu haben. Wenn der Herr uns alle auf einmal erleuchten könnte, dass sie die Dinge so sehen, wie sie jetzt nur wenige sehen...

[...]

Warum erkennen sie nicht, dass es sich miteinander besser als gegeneinander lebt? [...] Hast du es erkannt? Oder liege ich in dieser Hinsicht deiner Meinung nach daneben?

Natürlich lebt es sich miteinander besser -- ich würde nicht einmal behaupten, dass das alle nicht erkennen oder wissen oder so. Aber sie machen halt nichts dafür, wollen selbst nichts aufgeben, haben vielleicht keine Ideen für eine Veränderung, sind vom aktuellen Leben zu sehr determiniert...

Ich denke eben schon, dass nur wenige Sozialsein/Sozialismus als die bessere (besser als Materialismus) Gesellschaftsform ansehen. Viele fragen doch: "Was hab ich davon?" Und wenn's um's Sozialsein geht, dann doch oft auch nur innerhalb der eigenen Gruppe. Es gibt eben viel mehr Pöbel als Aristokratie, um es mal so auszudrücken. Aber man kann eben nicht zu den Leuten hingehen und ihnen sagen, dass der Sozialismus besser als der Materialismus ist, denn dann wird es einem wohl wie dem Höhlenmenschen aus Platons Höhlengleichnis ergehen. Niemand verstünde einen, man würde erschlagen werden. Sinnbildlich.

[...] Gedanken sind wie Krankheiten, nur dass mir das Bild nicht ganz gefällt. Kinder kann man so schnell verderben, indem man ihnen was einpflanzt und das schleppen sie 100 Jahre mit sich rum... Ganze Generationen sind verdorben und solange die Alten die Gedanken weitergeben, wird der schlechte Gedanke nicht ausgerottet... Das passiert nur nach und nach. Das ist wie mit dem Antisemitismus, mit dem übersteigerten Selbstwertgefühl der Amerikaner. Vor 40 Jahren war die Welt scheiße, oder vor 60 -- heute schreien alle hurra, dabei ist sie heute nicht besser -- und vor allen Dingen leben die Leute von vor 40/60 Jahren noch -- und geben ihr schlechtes Gedankengut weiter... Die haben ja ihre Weltansicht nicht geändert.

In "Schöne neue Welt" wird den Neuerschaffenen immer gleich das Gedankengut mitgegeben. Das kann sich freilich noch verändern, aber am Anfang ist es eben noch systemtreu und das bleibt es meistens auch. Du hast Recht damit. Wenn man sich die Gedankenkranken ansieht, dann hat man zwei Möglichkeiten: 1. Man wartet, bis sie von selbst drauf kommen. (ideal) 2. Man zwingt ihnen Meinungen auf. (real) Ich könnte mich mit beidem anfreunden. Mit dem ersten, weil es in meinen Augen richtig erscheint und besser und länger funktioniert; mit dem zweiten, weil es noch zu meinen Lebzeiten passieren könnte. (Es wäre zwar ein besseres System für alle, aber die Menschen würden das nicht erkennen und dann gäb's wieder Konflikte.)

Tja, dass du es noch erleben willst, versteh ich -- dass du deshalb aus Egoismus deine Meinung aufzwingen willst, obwohl du weißt, dass das eher kontraproduktiv ist, finde ich nicht so... gut.

Es ist nicht Egoismus, es wäre ja für alle besser, in so einem System zu leben. Ich denke dabei also an das Wohl aller. [...] Wenn sie das nicht verstehen, weil sie zu ungebildet oder unerleuchtet sind, dann ist das ihr Problem.

Ja, aber du sagst selbst, dass der Mensch nicht verstehen würde, dass das System besser ist zum Einen, es dann wieder Konflikte gäbe, das System den Bach runterginge und Generationen von Kindern eingeimpft würde: Kommunismus ist böse! Zum Anderen bringt es nicht viel, in deinem beschränkten Umfeld etwas zu tun -- Kommunismus müsste schon global sein.

Ich rede hier erst mal immer noch vom Sozialismus. Und den kann man auch auf staatlicher Ebene umsetzen.

[...]

Wie es bereits bewiesen wurde... Und wenn du jetzt an irgendwelche Menschenrechtsverletzungen denkst, so wie es immer alle tun, dann möchte ich noch anmerken, dass ich sehr viel von den Menschenrechten halte und Verstöße nicht im Sinne habe. Freie Presse fällt ja nicht unter Menschenrechte und freie Meinungsäußerung wird eh nur in bestimmtem Maße zugelassen.

[...]

Es ist eine gewöhnliche Reaktion, an das Schlechte zu denken. Ich hatte auch schon sehr ausführliche Gespräche mit anderen Leuten [...] und auch diese sind der Ansicht, dass es der Sozialismus oder Kommunismus ist, der das Beste für alle ist. Aber er funktioniert nur perfekt, wenn er von den Menschen selbst kommt und dazu sind sie noch nicht bereit.

Ich kenne [jdn.], auch so eine rote Socke, aber... [...] Also du zählst dich eher zur Aristokratie. Er sieht sich voll und ganz als Proletariat, ist eher kämpferisch drauf, Sozialismus um jeden Preis [...]. Er ist dir ziemlich entgegengesetzt, obwohl ihr etwa das gleiche Namensziel habt.


Ich möchte keinen Sozialismus durch eine terroristische Revolution, nein.

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